Infrastruktur MAG 1603

SAP-Systeme in der Hybrid Cloud verwalten

2016

Eine eigene Private Cloud kann das Hosting von SAP-Systemen stark vereinfachen und den Weg in die Hybrid Cloud ebnen. Das SAP Landscape Virtualization Management hilft bei der Anbindung von Ressourcen aus der Public Cloud und vereinfacht das Management in der Private Cloud.

Viele Unternehmen sehen sich derzeit dem Trend Cloud-Computing gegenübergestellt. Insbesondere im SAP-Umfeld wird der Druck immer größer, die Kosten durch die Nutzung von Cloud Services zu senken.

Die erste Reaktion ist oftmals die Bereitstellung einer Private Cloud für SAP. Private Clouds für SAP zeichnen sich nicht nur durch eine kostengünstige Bereitstellung von SAP-Systemen aus, sondern oftmal durch weitere Features für die Bereitstellung und den Betrieb von SAP-Systemen.

Oftmals wollen Business Units einen schnellen Zugang zu neuesten Testsystemen oder Trainingssystemen haben. Im traditionellen Betrieb von SAP-Systemen gehört die Bereitstellung von neuen Test- oder Trainingssystemen zu den Vorgängen, die viel Zeit beanspruchen.

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In einer Private Cloud soll dies verhindert werden, indem die Business Units über ein zentrales Portal neue SAP-Systeme bestellen können. Durch ein standardisiertes Angebot wird zwar nicht unbedingt auf alle Anforderungen eingegangen, aber die SAP-Systeme werden durch einen automatisierten Bereitstellungsprozess schnell ausgeliefert.

Während im traditionellen Umfeld SAP-Systeme oftmals manuell durch verschiedene Teams erstellt und ausgeliefert werden, muss das im Pri­vate-Cloud-Umfeld automatisiert geschehen. Hier ist ein hoher Automatisierungsgrad ein absolutes Muss. Dies betrifft nicht nur die Bereitstellung, sondern auch Aktivitäten, wie automatische Systemkopien oder System-Refreshes.

Das SAP Landscape Virtualization Management ist eine Lösung, welche dem Kunden das Anbieten von exakt diesen Features ermöglicht. Hierbei ist SAP LVM keine neue Lösung, sondern basiert auf dem SAP Adaptive Computing Controller und ist schon seit einigen Jahren für SAP-Kunden verfügbar.

SAP LVM wird in zwei Editionen lizenziert, wobei diese den Funktionsumfang bestimmen. In der Standard Edition werden alle wesentlichen Features für den Betrieb einer eigenen Private Cloud angeboten, während die Enterprise Edition erweiterte Use Cases anbietet.

SAP LVM integriert sich über die SAP Host Agenten und kann hierüber die SAP-Systeme steuern. Zu den elementaren Aufgaben des SAP LVM gehören die folgenden.

Start/Stopp/Relocate

Über SAP LVM können Kunden SAP-Systeme starten, stoppen und umziehen. Der Umzug von SAP-Systemen ist von einem Server zu einem anderen Server möglich. Dies kann sowohl von einer virtuellen Maschine zu einer anderen VM erfolgen als auch von einem physikalischen Server zu einem anderen physikalischen Server.

Hierdurch können SAP-Systeme auf einfache Weise umgezogen werden. SAP LVM bietet auch das massenhafte Ausführen dieser Operationen an.

Dynamisches Starten/Provisionieren von Instanzen: Bei Bedarf können Dialog-In­stanzen aus dem Ruhezustand geholt und gestartet werden. Üblicherweise wird so etwas vor einem Monatswechsel gemacht, um zusätzliche Kapazitäten bereitzustellen, welche im normalen Betrieb nicht gebraucht werden.

Per SAP LVM können zusätzliche Applikationsserver dynamisch provisioniert werden. Die Features der Enterprise Edition erweitern die Liste der Use Cases jedoch erheblich. Hierzu gehören inbesondere die Use Cases in Bezug auf Integration mit Herstellern von Storage-Lösungen und Virtualisierungslösungen.

So können Kunden sehr leicht Cloning oder System-Refreshes implementieren und auf diese Weise die Bereitstellung von neuen SAP-Systemen, z. B. für Trainings- oder Testsysteme, stark vereinfachen.

SAP LVM kann hierbei auch auf die Features von Storage- oder Virtualisierungsherstellern zurückgreifen. Somit lassen sich neue Systeme per Cloning auf Basis von Storagesnapshots in wenigen Minuten erstellen.

Dies ist der Grad der Automatisierung, welchen Kunden bei einer Private Cloud für SAP benötigen. Es ist das Ziel, den Business Units neue SAP-Systeme schnell und komfortabel bereitzustellen. Dies ist mit SAP LVM ohne Weiteres möglich. Ein sehr guter Überblick zu allen Use Cases beider Editionen kann unter dem folgenden Link gefunden werden:

https://help.sap.com/nwlvm – neben den Features zur Vereinfachung des Betriebs der eigenen Private Cloud kann über SAP LVM auch die Anbindung von Ressourcen aus der Amazon Cloud erfolgen. Hierbei ist die Konfiguration denkbar einfach. Es ist lediglich ein Account aufseiten von Amazon notwendig.

Sobald der Account konfiguriert ist, können dynamisch neue Ressourcen zu einer SAP-Landschaft hinzugefügt und genutzt werden. Hierbei kann der SAP LVM die Steuerung der Amazon-Cloudressourcen übernehmen und koordinieren. Alle in der Amazon Cloud erstellten SAP-Systeme werden wie On-premise-Ressourcen in die Landschaft integriert.

Durch die Nutzung von Amazon-basierten Ressourcen kann somit die Landschaft von einer Private Cloud in eine Hybrid Cloud verändert werden. Als Verbindungsstück (Brücke) fungiert hierbei SAP LVM.

Dies hat für SAP-Kunden einen entscheidenden Vorteil: Die Verbindung zwischen der On-premise-Umgebung und der Cloud-Umgebung ist ein Stück Software von SAP, und somit existieren der Support und die Unterstützung von SAP für dieses Szenario.

Kunden, welche SAP LVM einsetzen, können auf diesem Wege eine einfache Transition in die Public Cloud durchführen und in das Szenario der Hy­brid Cloud wechseln.

Über den Autor

André Bögelsack, Accenture

Dr. André Bögelsack hat lange Zeit als SAP-Basisadministrator an der Technischen Universität München gearbeitet und in diesem Umfeld promoviert. Danach war er kurze Zeit in der Forschung und arbeitet seit 2012 bei Accenture im Bereich Infrastructure Transformation. Er leitet große SAP-Migrations- und -Transformationsprojekte.

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