Die Meinung der SAP-Community MAG 1603 No/Name - Kolumne

Halbierung der Pflegegebühr

Mister No/Name
Geschrieben von no-name

Was lange Zeit als unmöglich galt, ist nun Alltag. Durch Verhandlungen mit SAP lässt sich die Pflegegebühr reduzieren. Zur Anwendung kommt der Axel-Susen-Trick, diesmal mit dem Hebel Rimini Street. Oder man verzichtet auf die Wartung – dann gibt es auch keine Probleme mit der indirekten Nutzung.

Nachdem ich meiner Frau diesen Text zum Lesen gegeben habe, muss ich jetzt die Einleitung umschreiben und als Warnung voranstellen.

„Du verbrennst dir schon wieder einmal die Finger mit diesen Aussagen“

schimpft sie über meinen Schreibstil.

„Soll doch dein Freund Färbinger unter dem Deckmantel des Journalismus hierfür den Kopf hinhalten.“

Ich versuche, ganz ruhig zu antworten, dass der E-3 Chefredakteur mit seinen eigenen „Falschmeldungen“ schon genug Stress hat. Und wir ja im Sinne der SAP-Community kritisch und konstruktiv denken und schreiben wollen. Los geht es!

Die Gerüchte gab es immer wieder einmal, aber nun hatten wir an unserem ersten SAP-Stammtisch im neuen Jahr einen Gast, der von einer wundersamen Reduzierung der jährlichen Pflegegebühr aus erster Hand berichtete:

Als Dienstleister eines SAP-Partners arbeitet er für neun Monate bei Bombardier im Bereich SolMan-Customizing und deswegen kam er auch in das Team zur Evaluierung eines alternativen Wartungskonzepts.

Rimini Street hatte Bombardier ein sehr verlockendes Angebot gestellt, statt an SAP jährlich 14 Millionen Wartungsgebühr zu überweisen, könnte Rimini Street das Gleiche und mehr für 7,5 Millionen bringen.

Die Sache ging aus wie viele ähnliche Fälle zuvor, SAP senkte massiv die Kosten der eigenen Pflegegebühr. Unser Stammtisch nahm es befriedigend zur Kenntnis. Wir kennen ähnliche Fälle beim Nachkauf von SAP-Lizenzen.

Hier ist Gebrauchtsoftwarehändler Axel Susen immer sehr behilflich: Er legt jeweils ein Gegenangebot mit stillgelegten Lizenzen, worauf SAP mit einem Preisabschlag im deutlich zweistelligen Prozentbereich antwortet. Der alte Axel-Susen-Trick funktioniert somit auch bestens bei der Wartungsgebühr.

Warum?

SAP versucht, ein vierzig Jahre altes ERP-Paradigma zu ändern: Ab 2025 soll es im SAP-Weltreich nur noch S/4, Hana und Fiori geben.

Nicht jeder Bestandskunde ist bereit, diese radikalen, disruptiven Prozesse zu stemmen. Die meisten kennen nicht einmal die organisatorischen und betriebswirtschaftlichen Vorteile von S/4 und Hana.

Für alle Anwender der Business Suite 7 auf einer der Datenbanken von Microsoft, IBM und Oracle erscheint nun Rimini Street als letzte Rettung. Diese Drittwartung ist nicht nur preiswerter, sondern auch umfassender und langlebiger.

Letztendlich kann man so mit S/7 und Oracle auch noch 2030 als CIO erfolgreich sein – und das gesparte Budget in die digitale Transformation investieren!

Naturgemäß bekämpft SAP dieses Modell auf allen Ebenen, unter anderem durch die neue Version des SolMan – das aber ist eine andere Geschichte. Und noch eine interessante Anekdote wurde an diesem Abend am Stammtisch erzählt. Immer häufiger nehmen Bestandskunden ihre Non-HR/FI-Systeme aus der Wartung, wodurch sich auch die leidige Diskussion über die indirekte Nutzung fast von selbst löst.

Wer jedoch nicht zu Rimini Street wechselt oder die Wartung stilllegt, der wird wahrscheinlich bis 2025 den Releasewechsel planen müssen. Wer diese Kolumne regelmäßig liest, weiß wahrscheinlich, dass ich ein „größeres“ SAP-System verantworte, und natürlich sind wir bereits intensiv in der S/4-Projektplanung.

Alles, was ich zum heutigen Zeitpunkt sagen kann: Die Deadline 2025 wird kaum zu halten sein! Zu viele weltweite SAP-Systeme, zu viele Add-ons, Tests, Schulungen etc. sind zu planen und zu exekutieren.

Was für uns gilt, gilt aber auch für jeden anderen Bestandskunden. Selbst wesentlich kleinere Anwender werden Schwierigkeiten haben, die notwendigen Ressourcen bereitzustellen. Es gibt global eben nur eine begrenzte Anzahl an SAP-Partnern, Beratern und freien Programmierern, die bei einem Releasewechsel mit Rat und Tat zur Seite stehen können.

Das ist keine Hiobsbotschaft, sondern die Erfahrung aus der Vergangenheit. Auch die Zeitpläne für die Umstellung von R/2 auf R/3 und von R/3 auf ECC 6.00 mussten von Walldorf mehrfach revidiert werden. 2025 wird nicht halten!

Hinzu kommt, dass Hana mit der heißen Nadel gestrickt wurde und S/4 noch nicht massentauglich ist. Die meisten Keynote-Beispiele von SAP-Technikvorstand Bernd Leukert haben sehr geringe Datenmengen, sodass Hana hier ohnehin unterfordert ist.

Aber auch aus organisatorischer Sicht sind diese Beispiele sehr interessante Nischenlösungen oder, wie das Boardroom-Szenario zeigt, eben nur für eine Handvoll Vorstände adäquat. Die Massentauglichkeit hat S/4 bisher noch nicht unter Beweis gestellt.

Und Hana hat noch zahlreiche Kinderkrankheiten und Anomalien – deswegen besteht SAP auch auf der strikten Einhaltung der ausschließlichen Verwendung von zertifizierter Server-Hardware, weil es kaum eine S/4- und Hana-Installation ohne massive Hilfestellung durch den SAP-Support gibt.

Die Dinge werden sich zum Besseren wenden, aber das braucht Zeit. Auch ein R/3 war nicht über Nacht stabil, robust und ausgereift. Wirklich glücklich wurde die Community erst mit Version 4.6c und der durch Ex-DSAG-Chef Alfons Wahlers ins Leben gerufenen R/3-Enterprise-Version (4.7).

Über den Autor

no-name

Unser geheimnisvoller, anonymer Kolumnist.

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