Infrastruktur MAG 1603

SAP mit Oracle Cloud erweitern

2016 xxx
Geschrieben von E-3 Magazin

Mit 24 Prozent Marktanteil weltweit ist SAP in vielen Firmen Standard. Wenn nun im Zuge der digitalen Transformation Erweiterungen, Ergänzungen oder Optimierungen einer SAP-Landschaft notwendig werden, ist es auch für SAP-Anwender sinnvoll, über alternative Anbieter nachzudenken.

Die Gründe für einen alternativen Anbieter können vielfältig sein. Neben den üblichen Vergleichen in puncto Kosten und Funktionsumfang sollte dabei auch in Betracht gezogen werden, ob neue Anwendungen und Technologien auch zukünftigen Anforderungen nach Agilität und Offenheit gerecht werden.

Es nützt nichts, wenn sich eine neue Lösung zwar nahtlos in die bestehende SAP-Umgebung integriert, weitere Optionen aber ausgeschlossen sind, weil die erforderliche Flexibilität oder standardisierte Schnittstellen fehlen.

Oracle Cloud

Während eine Entscheidung für oder gegen einen Hersteller in früheren Zeiten quasi einen Bund fürs (Berufs-)Leben bedeutete, hat sich das im Zeitalter des Cloud-Computings massiv geändert: Wenn die Schnittstellen offen und transparent sowie das Cloud-Portfolio des Herstellers umfassend ist, kann man kurzfristig und schnell ausprobieren, ob eine neue Lösung hält, was sie verspricht.

Man kann dann umgehend mit ihr produktiv gehen und auch bei Bedarf umgehend auf größere Lasten reagieren.

Wem es nicht behagt, seine SAP-Erweiterung in die Cloud auszulagern, dem bieten Hersteller oft unterschiedliche Möglichkeiten, Anwendungen hybrid in der Cloud und on premise zu betreiben (oder womöglich nur on premise, womit die Vorteile einer Cloud-Lösung aber natürlich teilweise obsolet werden).

Oracle bietet beispielsweise fast sein gesamtes Applikations- und Technologie-Portfolio mittlerweile auch in der Cloud an. Damit lassen sich problemlos Erweiterungen bestehender SAP-Landschaften umsetzen. Insbesondere für den Bereich Business Intelligence und Enterprise Perfomance Management müssen es nicht unbedingt SAP-Lösungen sein, die den Mehrwert bringen.

Laut einer Befragung des Beratungsunternehmens De­loitte unter 1.200 CIOs weltweit bestätigen 77 Prozent die Bedeutung von BI-Tools für das eigene Unternehmen und 88 Prozent gaben an, mittelgroße und hohe Investitionen in diesem Bereich tätigen zu wollen.

All-Data- und Self-Service-BI

Generell kann Oracle insbesondere in zwei Bereichen mit seinen Analyse- und Auswertelösungen auch bei SAP-Anwendern punkten: als „All-Data-Analytics“ für Big Data und Data Warehouses sowie als Datenvisualisierungs-Tool und Self-Service-Anwendung für die Integration eigener Daten mit Cloud-Anwendungen.

Oracle bietet auch vorkonfigurierte und integrierte BI-Lösungen für seine eigenen ERP-, CRM- oder HCM-Anwendungen an. Wer jedoch nicht gleich seinen ganzen Applikations-Stack neu aufsetzen will, der sollte sich mit Erweiterungen seiner SAP-Landschaft aus der Oracle Cloud beschäftigen.

Erfahrungsgemäß lassen sich Cloud-Lösungen am einfachsten realisieren, wenn sich die zu verarbeitenden Daten bereits in der Cloud befinden. Denn dann sind bereits definierte Schnittstellen zu anderen Systemen vorhanden, wie etwa Daten aus Customer-Experience-Management-Systemen (CX).

In der SAP-Welt ist das oftmals allerdings nicht so einfach, weil SAP-Systeme selten wie von der Stange eingesetzt werden, weshalb die Schnittstellen häufig nicht im Standard implementiert sind. In der Praxis geht es bei BI oft darum, Daten übergreifend zu analysieren und die Informationen aus dem ERP-System mit den Daten aus CRM- oder Customer-Expe­rience-Anwendungen in einem Data Warehouse zu konsolidieren. Neu ist, dass die Anwender mehr Flexibilität einfordern, als bestehende Data-Warehouse-Lösungen bieten können.

Moderne Datenvisualisierungs- und Self-Service-Werkzeuge von Oracle schließen diese Bedarfslücke. Anwender können damit selbstständig lokale Daten mit Daten aus der Cloud kombinieren und so schnell neue aussagekräftige Auswertungen erstellen.

Fertige Cloud-Applikationen, wie die Oracle Enterprise Performance Reporting Cloud, helfen beispielsweise dabei, das Reporting zu beschleunigen und Geschäftsabschlüsse schneller zu publizieren.

Der Oracle Data Visualization Cloud Service ermöglicht die einfache Konsolidierung und Integration von lokalen Spreadsheets in eine Cloud-Umgebung und bietet neben vielfältigen Analyse-Funktionen eine hohe Datensicherheit und Verfügbarkeit für mobile Anwender.

Enterprise Performance Management

Die Oracle-EPM-Applikationen gehen hervor aus den Corporate-Perfomance-Management-Lösungen von Hyperion, die von Oracle bereits im März 2007 akquiriert und kontinuierlich weiterentwickelt wurden. Sie automatisieren vornehmlich Aufgaben, die im CFO Office erledigt werden müssen, wie Konsolidierung von Finanzdaten, Planung und Budgetierung, Risiko-Reporting und die Veröffentlichung von Geschäftszahlen.

Dabei handelt es sich letztendlich um vorgegebene Prozesse, die nach bestehenden Gesetzen und Vorschriften ablaufen müssen.

Der Oracle Planning und Budgeting Cloud Service wird etwa bei Unternehmen eingesetzt, die mit weltweiten Landesgesellschaften präsent sind. Für sie kann so ein einheitliches Berichts- und Planungs-Tool bereitgestellt werden, ohne dass weltweit mit dem gleichen ERP-System gearbeitet werden muss.

Der Oracle Business Intelligence Cloud Service integriert die unterschiedlichen Daten aus den verschiedenen ERP-, CRM- und EPM-Applikationen und bietet damit auch in der Cloud vielfältige Auswertungsmöglichkeiten. Auch der Import von Datenextrakten aus SAP-Systemen lässt sich über eine standardisierte Schnittstelle automatisieren.

So wird SAP Big-Data-fähig

Das Spielfeld von Business Intelligence lässt sich noch erweitern, wenn man Big Data, also große Mengen unstrukturierter Daten aus unterschiedlichen Quellen, mit einbezieht. Zum Beispiel wird damit der Weg in das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) eröffnet, der für Industrie-4.0-Szenarien unerlässlich ist.

Das Marktforschungsunternehmen Gartner schätzt, dass bis zum Jahr 2020 die Zahl der vernetzten Geräte im Internet der Dinge auf bis zu 20,8 Milliarden anwächst. Nicht verwunderlich ist es deshalb, dass laut einer Studie von Forrester 34 Prozent der Unternehmen in Europa IoT- und Machine-to-Machine-Aktivitäten eine hohe bis kritische Priorität einräumen.

Die entstehenden Datenberge lassen sich natürlich nur mit entsprechenden Big-Data-Lösungen sinnvoll und gewinnbringend auswerten. Mit dem Oracle-Big-Data-Discovery-Tool lassen sich die unterschiedlichen Datenformate in Hadoop automatisch analysieren – Auffälligkeiten, Abweichungen und Muster werden in Dashboards visuell dargestellt und die Anwender erkennen auf einen Blick, wo es sich lohnt, tiefer in die Datenexploration einzusteigen.

Die Oracle-Big-Data-SQL-Technologie fungiert dabei als Brücke zwischen der Big-Data-Welt und den Data-Warehouse-Systemen und ermöglicht damit flexible Auswertungen auf nahezu allen Quellen. Hierbei kommen die gleichen Analysewerkzeuge zum Einsatz, die auch als Oracle Cloud Service zur Verfügung stehen.

Die Beispiele von Oracle EPM und Oracle BI mit Big Data für IoT/M2M zeigen also, dass es sich durchaus lohnt, vermeintlich alternativlose Applikationslösungen zu hinterfragen und die Chancen zu nutzen, die das neue Bereitstellungsmodell der Cloud auch in puncto Softwarebeschaffung bietet.

 

Über den Autor

E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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