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S/4 Hana – ein großer Schritt

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Geschrieben von E-3 Magazin

Im Maschinen- und Anlagenbau hat SAP mit Abstand die größte installierte Basis. Das neue SAP S/4 Hana stellt sowohl die Anwender als auch die mittelständischen Systemhäuser vor beachtliche Herausforderungen.

Da die anspruchsvollen Prozesse rund um die diskrete Produktion in der Investitionsgüterindustrie SAP nicht gerade in die Wiege gelegt wurden, haben sich im insgesamt faszinierenden Ökosystem von SAP Systemhäuser etabliert, welche die spezifischen Anforderungen der Nutzer ausgeprägt haben.

Darüber hinaus haben viele der Unternehmen selbst Individuallösungen entwickelt, um ihr Tagesgeschäft effizient und sachgerecht durchführen zu können. Die Besonderheit von SAP ECC, seine Funktionalität in rund 100.000 Tabellen auszuprägen, welche bei Anpassungen mit Y- und Z-Tabellen ergänzt werden, erzeugt beim Umstieg auf SAP S/4 Hana ein nicht unerhebliches Anpassungsproblem.

Nachdem SAP in Zukunft nur noch auf Hana laufen und für S/4 Hana funktional weiterentwickelt wird, stecken die Anwender und Systemhäuser in einem Dilemma. Zwar gibt es nach wie vor noch die Tabellen bei SAP, diese werden jedoch auf Hana völlig anders bedient sodass eine Anpassung spezifischer Funktionalität weit über ein „Re-Mapping“ hinausgehen wird. Dennoch ist es sicherlich als positiv zu bewerten, dass das Datenmodell von SAP insgesamt einfacher wird.

Die Reaktionen der betroffenen Anwender bewegen sich gegenwärtig zwischen Gelassenheit und leichter Gereiztheit. Natürlich ist für sie nachvollziehbar, dass eine Lösung nach rund einem Vierteljahrhundert wieder auf eine moderne Grundlage gesetzt werden muss. So ist auch die Frage nicht ob, sondern wann man von ECC nach S/4 gehen wird.

Daher wird erwartet, dass SAP einen non-disruptiven Weg zur Migration aufzeigt. Zumindest die offizielle Ankündigung von SAP, die SAP Busi­ness Suite noch mindestens bis 2025 zu entwickeln und zu warten, entspricht diesen Erwartungen.

Die Systemhäuser, welche Sonderlösungen für die Branche entwickelt haben, ahnen den Umfang der vor ihnen liegenden Aufgabe, die sie nur gemeinsam mit ihren Anwendern meistern können.

Dabei ist ihnen klar, dass der Bereitschaft ihrer Kunden, diese Lösungen ein weiteres Mal zu bezahlen, recht enge Grenzen gesetzt sind. Insofern müssen sie einerseits einen deutlich verbesserten Nutzen aufzeigen können und brauchen andererseits ausreichend Zeit, um die Veränderungen organisatorisch, personell und finanziell verkraften zu können.

Es wird also darauf ankommen, klare Nutzenpotenziale von S/4 aufzuzeigen. Dabei zeigen sich bei der auf einer modernen Datenbanktechnik entwickelten, Hauptspeicher basierenden und endlich mit einem modernen Frontend ausgestatteten Lösung durchaus die Potenziale, die der VDMA in seiner Kampagne ERP 2020 aufgezeigt hat.

Zudem eröffnen sich mit S/4 Hana bezüglich der Digitalisierung von Wertschöpfungsprozessen Möglichkeiten, die mit SAP ECC nicht denkbar waren.

Aus Sicht der Anwender ist wichtig, dass realistische Migrationsszenarien aufgezeigt werden können. Angesichts Hunderter bestehender Schnittstellen ist bereits heute die Installation eines Enhancement Packs mit sehr hohem Aufwand verbunden.

Bezogen auf die umfassenden Veränderungen darf sich dieser Aufwand sicherlich nicht potenzieren. In diesem Zusammenhang wird es spannend sein, was die Hana Cloud Platform (HCP) zu leisten imstande sein wird.

Auf dem Weg zu S/4 dürfen auf keinen Fall die mittelständischen Systemhäuser verloren gehen, die sich auf branchenspezifische Lösungsangebote spezialisiert haben. Sie sind die Wissensträger bezüglich besonderer Anforderungen, die in einer Standardsoftware, welche derart breit für viele Branchen angelegt ist, nicht in der benötigten Granularität ausgeprägt werden können.

Hier werden Entwicklungswerkzeuge benötigt, die rasch eine Portierung von Lösungen in S/4 Hana ermöglichen und die Alleinstellungsmerkmale dieser Lösungsanbieter angemessen schützen.

Es wird also deutlich, dass die Beteiligten die Kommunikation miteinander suchen und gemeinsam Wege und Lösungen finden müssen. Es ist sicherlich kein vernünftiger Ansatz, die weitere Entwicklung aussitzen zu wollen.

Auf der anderen Seite ist abzusehen, dass sich Anwender in einem Käufermarkt nicht in einen Systemwechsel zwingen lassen werden. Angesichts eines starken Wettbewerbs im ERP-Markt wäre die Entscheidung hinsichtlich einer zukünftigen Produktstrategie durchaus offen.

Über den Autor

E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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