Mister No/Name

Nachfolgeregelung

Die Nachfolge von Gerd Oswald durch Michael Kleinemeier hält und ist damit bestens gelöst. Zum Jahresauftakt geht es um Schmerzlicheres. In dem SAP-Dokument Simplification List for S/4 heißt es unmissverständlich, dass neue Lizenzgebühren fällig werden. S/4 ist kein Nachfolger von ERP/ECC 6.0.

Der Jahresausklang 2015 war lustig, der Beginn schwierig. Aber zuerst das Überraschende: Kurz bevor wir uns alle in die Weihnachtsferien verabschiedeten, stürmte unangemeldet einer meiner Mitarbeiter in mein Büro.

Er war auf Dienstreise in China und besuchte dort einige unserer Zulieferer zwecks elektronischen Datenaustausches.

„Sie glauben nicht, was ich erlebt habe“

war der gute Mann kaum zu stoppen.

„Ich saß dort vor einem SAP-Bildschirm und konnte das System auch problemlos bedienen – nur man versicherte mir nachdrücklich, dass es definitiv kein SAP-System ist.“

Später erfuhr mein Mitarbeiter, dass es ein „ERP-System“ einer großen örtlichen Universität ist und man von SAP noch nie etwas gehört hat. Ob man nun davon ausgehen kann, dass ECC 6.0 in China nachgebaut wurde, weiß ich nicht. Aber bereits seit vielen Jahren kommen immer wieder Gerüchte von illegal betriebenen R/3-Systemen im asiatischen Raum hoch.

Woher SAP das weiß? Diese R/3-Anwender wissen oft nicht, dass sie ein illegal kopiertes R/3-System verwenden, und rufen im Problemfall ganz ungeniert den Support an.

Der ECC-6.0-Nachbau in China dürfte jedoch trickreicher entstanden sein. Nach Auskunft der Mitarbeiter unseres Zulieferers kommt der Support von der örtlichen Universität.

Kick-off 2016:

Das erste große Thema im CCC-Lenkungskreis war das SAP-Dokument „Simplification List for SAP S/4HANA, on-premise edition 1511“.

In der Einleitung auf Seite 12 lautet der erste und für mich wichtigste Satz des 300-Seiten-Whitepaper:

„SAP® S/4HANA is SAPs next-generation business suite, it is not a legal successor of any SAP Business Suite product. It is a new product completely built on one of the most advanced in-memory platform today – SAP HANA® – and modern design principles with the SAP Fiori user experience (UX).“

Jetzt wissen es alle:

SAP will der Community neue Lizenzen für S/4 abknöpfen. Ob das funktioniert, bleibt abzuwarten.

S/4 ist noch lange kein ERP-System, wie wir es von ERP/ECC 6.0 und der Business Suite her kennen. Der Funktionsumfang ist marginal im Vergleich zu den aktuellen SAP-Produkten.

Der Transformationsprozess von S/7 auf S/4 ist mehr als vage und schemenhaft. Eine belastbare Roadmap bis 2020 ist noch immer nicht greifbar. U

nd das großartige Hana ist weit von einem produktiven Betrieb außerhalb von BW entfernt – was nicht nur ich sage, sondern auch in einer Research Note der Analysten von Crisp bestätigt wird: Aufgrund dieser Komplexität der Architektur tauchen diverse Probleme bei der Vorbereitung der Migration zu Hana auf.

Insbesondere der massive Skill-Gap seitens der Mitarbeiter ist ein typisches Szenario vor einer neuen Technologie-Einführung.

So befürchtet ein Drittel der befragten Entscheider, dass genau diese Wissenslücke eine Barriere darstellt, die überwindet werden muss, um ein Hana-System erfolgreich betreiben zu können.

Zudem wird von 28 Prozent der Entscheider bemängelt, dass es keine Migrationskonzepte für Non-SAP-Systeme gibt. […] Viele Unternehmen stoßen schon in früheren Projektphasen auf die ersten Show-Stopper. So entsprechen bei jeder fünften Evaluation die PoC-Ergebnisse nicht den Erwartungen.

Ähnlich verhält es sich mit dem Thema Use-Cases

Für 19 Prozent der Unternehmen, die den Einsatz von Hana evaluiert haben, ist der Use-Case noch nicht klar oder zumindest noch nicht abschließend bewertet. In-memory-Technologien und Plattformen sind über das Nischendasein hinweg und der Siegeszug scheint unaufhaltsam. […]

Entscheidend für die Anwender wird sein, inwieweit diese in der Lage sind, diese Technologie gewinnbringend zu nutzen und aus dem Versuchsstadium hin zu einer routinierten Nutzung überzugehen. (Ende des Zitats)

Unser PoC hat ergeben, dass Hana noch viele Anomalien hat und nicht immer schneller ist als unser gutes altes Oracle- und DB2-System. Das Thema Add-ons und S/4 haben wir bisher bewusst ausgelassen, und das nicht nur wegen des Themas NetWeaver Foundation for 3rd Party!

Der Ansatz mit „Kompatibilitätsview“ mag theoretisch funktionieren, in der Praxis gibt es immer wieder Eskalationen. Die fehlenden Abap-Tabellen durch eine Art Firewall zu simulieren ist charmant, aber vielleicht zu trickreich?

Wir komme unter Zeitdruck, wenn SAP an der Deadline 2025 für ECC 6.0 festhält. Abgesehen von den enormen Kosten und dem hohen technischen Aufwand erscheint es uns aus heutiger Sicht organisatorisch kaum machbar zu sein, die Systeme bis 2025 umzustellen.

Unabhängig von Architektur und Infrastruktur, ob on-premise, Hybrid Cloud oder was auch immer, die Parameter für Testen, Transformation, Rollout und Schulung sind für alle Szenarien identisch.

Ich denke, dass SAP einen gewaltigen Denkfehler macht: Weil ein System mit viel Aufwand bei ausgewählten Referenzkunden zum Laufen gebracht werden kann, ist es noch lange nicht alltagstauglich.

Und die finanzielle Belastung der Bestandskunden durch Weiterführung der Pflegegebühr für ECC 6.0 mit parallelem Erwerb der S/4-Lizenzen plus der gesamten Projektkosten ist nicht argumentierbar.

Das könnte Sie auch interessieren

0 Kommentare

Dein Kommentar

Möchten Sie uns Ihre Meinung zum Thema sagen?
Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.