Coverstory 1511 MAG 1511

Converged Infrastructure

2015 xxx
Geschrieben von E-3 Archiv

Die digitalen Transformationsprozesse haben erst begonnen. Industrie und Handel 4.0 stehen am Beginn. Internet of Things wird Realität. Das C-Level-Management ist somit auf maximale Flexibilität angewiesen – bis aus den Hypes belastbare Megatrends werden. Die Antwort von Dell: Konvergente Infrastrukturen bringen diese notwendige Flexibilität. Mit Jürgen Renz und Jens Peter Gotter von Dell sprach E-3 Chefredakteur Peter M. Färbinger.

Flexibilität ist notwendig, um vom digitalen Tsunami – wie die Gartner-Analysten die digitale Transformation auch nennen – nicht weggespült zu werden. Eine Antwort auf die anstehenden Transformationsprozesse sind Con­verged Infrastructure und Software Defined Datacenter.

IT-Flexibilität betrifft in einer SAP-Umgebung den CCC- und IT-Leiter, manchmal vielleicht den CIO. Kostenreduzierung freut den CFO.

Ist mehr Flexibilität bei geringeren Kosten eine Teamaufgabe? Wer treibt? Wer exekutiert? Jürgen Renz, General Manager und Executive Director bei Dell in Deutschland:

„In meinen Augen ist mehr Flexibilität eine Anforderung des Business und der Fachabteilungen, die das an den CCC-Leiter und CIO herantragen. Diese sind für mich die wesentlichen Treiber.

In Zusammenarbeit mit dem CFO, der die Kosten im Blick hat, sind es letztlich der IT-Leiter und der CIO, die diese Vorgaben umsetzen.“

Und Jens Peter Gotter, Director Global SAP Center of Excellence bei Dell, ergänzt:

„Kostensenkungen sind nicht nur die Anliegen der Finanzvorstände. Heutzutage werden auch den CIOs strikte Budgetvorgaben gemacht, und sie müssen die TCO reduzieren.

Flexibilität kann auch differenziert betrachtet werden. Flexibilität durch eine konvergente Infrastruktur wird von der CIO-Organisation getrieben, was zu Kostensenkungen führt. Flexibilität hinsichtlich der Business-Seite wird in der Skalierbarkeit des SAP-Systems übersetzt und ebenfalls von der CIO-Organisation getrieben.

Kosten­einsparungen durch Aktivitäten im Bereich Business Process Reengineering werden in der Regel durch die Line of Business ausgeführt – unterstützt von der IT-Organisation.“

Im Gespräch mit dem E-3 Magazin merkt Jürgen Renz dazu an:

„Wir sehen aktuell aber auch den Trend, dass sich die IT-Leitung dieser Zusammenhänge durchaus sehr bewusst ist und sich auch sehr stark selbst motivieren kann.“

Die Transformation

Flexibilität kann jedoch nicht das alleinige Ziel einer Converged Infrastructure sein. Naturgemäß geht es auch um eine Qualitätsverbesserung der Aufbau- und Ablauforganisation.

Das Business Process Redesign hin zu einem Realtime Enterprise – wie SAP die nächste ERP-Evolution nennt – ist wichtig. Qualitätsverbesserung beeinflusst auch die erwähnte TCO.

Das Change Management einer Converged Infrastructure sollte Flexibilität und Einsparungen mit sich bringen. Geht beides oder soll man zuerst flexibel und dann preiswert werden?

„Nein, man muss nicht das eine und dann das andere machen“

meint Dell-Manager Renz.

„Im Gegenteil: Durch die Erhöhung der Flexibilität lassen sich – nach einer anfänglichen Investition – in der Regel auch erhebliche Einsparungen erzielen.“

Sein Kollege Jens Peter Gotter bemerkt:

„Erhöhung der Flexibilität, Qualitätserhöhung und eine Verringerung der Kosten können gleichzeitig erreicht werden. Beispiele sind konvergente Infrastrukturen und SLA-basierte Support-Modelle.“

„Betrachten wir die SAP-Welt von vor zehn Jahren, so lief gerade im deutschen Markt nahezu jedes SAP-System auf proprietären Architekturen“

erklärt Jens Peter Gotter.

„Dazu existierte eine Vielzahl von Insellösungen, die jeweils eine teilweise Automatisierung von SAP ermöglichten. Ein wirklich durchgängiges Konzept gab es damals aber nicht.“

Mittlerweile ist eine hohe Hardware-Standardisierung erreicht worden, die nun die Basis für umfassende Softwareflexibilisierung bietet. In Zukunft wird dies noch deutlich ausgebaut, insbesondere bei Flexibilität und Tempo.

„Absehbar ist auch, dass dieser Prozess über Templates und Anwendungsautomatisierungen noch deutlich effizienter gestaltet werden kann“

ist Gotter überzeugt. Sein Dell-Kollege Jürgen Renz meint:

„Typische Bereitstellungsszenarien im SAP-Umfeld gingen vor zehn Jahren mit sehr vielen manuellen Eingriffen auf proprietären Systemen einher.

Der Trend zu einer standardisierten IT bringt heute eine tiefgreifende Automatisierung mit sich und damit natürlich auch Deployment-Prozesse, die früher Wochen und Tage benötigt haben und heute in wenigen Minuten oder Sekunden erledigt sind.“

Flexibilität für SAP-Bestandskunden umfasst den gesamten Lebenszyklus:

„Bei der Betrachtung neuer Workloads durch unsere SAP-Beratung wie auch bei der Finanzierung durch Dell Financial Services, wo wir ein Pay-As-You-Grow-Modell ermöglichen, ist diese Flexibilität gegeben“

definiert Jürgen Renz.

Natürlich liefert Dell auch im Kern der Infrastruktur flexible Systeme.

„Gerade im Bereich hyperconverged Server, Software-defined Storage und Open Networking bieten wir auch Bestandskunden sehr innovative, flexible Lösungen an“

erklärt Renz den Dell-Ansatz.

Und Jens Peter Gotter ergänzt, dass mehr Flexibilität auf zwei Ebenen erreicht werden kann: erstens durch konvergente Infrastruktur. Eine Infrastruktur kann sich im Laufe der Zeit ändern.

Beispiele hierfür sind vorübergehende Anforderungen für Entwicklungs- und Testumgebungen für kurzfristige Projekte.

Weitere Beispiele sind Fusionen und Übernahmen, einschließlich Spin-offs. Und schließlich das normale Wachstum des Geschäfts.

„Mithilfe der konvergenten Infrastruktur wird es möglich sein, die Größe der Landschaft entsprechend den aktuellen Bedürfnissen dynamisch anzupassen“

definiert Dell-Manager Gotter. Ein Nebeneffekt ist, dass die Kosten für die Infrastruktur dem tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Eine flexible Anpassung der Landschaft kann durch hyper­converged Server, Software-defined Storage, offene Netzwerke und entsprechende Dell-Services erreicht werden. Zweitens durch Unterstützungsdienste.

Hier erklärt Gotter:

„Unterstützung kann auf Ebene der Infrastrukturkomponenten sowie auf der Anwendungsebene zur Verfügung gestellt werden, wie zum Beispiel Endbenutzer-Support oder Break-Fix-Support.

Anstatt Support auf einer festen FTE-Basis anzubieten, basiert Dells Supportmodell auf SLAs, was die Kosten flexibel macht.“

Hyperconverged Systems

„Hyperconverged Systems sind Lösungen, die den klassischen IT-Stack aus Storage, Server und Netzwerk in sich vereinen und dabei eine kompakte Bauform aufweisen“

beschreibt Jürgen Renz einen Megatrend aus den digitalen Transformationsprozessen. Hyperconverged Systems dienen als reproduzierbare, weitgehend identische Bausteine, die den Kunden eine nahezu lineare Skalierung ermöglichen.

Für einen SAP-Bestandskunden besteht die Chance, einen homogeneren, stabileren Betrieb zu realisieren. Gleichzeitig kann er seine Arbeitslast in portionierbaren Größen konsumieren und hat die Sicherheit, dass alles aufeinander abgestimmt ist.

„Komplexe Zertifizierungs-Matrizen werden so deutlich vereinfacht“

weiß Renz aus seiner beruflichen Praxis.

Sein Kollege Jens Peter Gotter ergänzt, dass abhängig von Kundengröße und Betriebsmodell hyperconverged Systems eine optimalere Möglichkeit für einen SAP-Betrieb darstellen können.

„Wir gehen davon aus, dass diese modernen Lösungen einen bedeutenden Anteil an zukünftigen SAP-Installationen ausmachen werden – insbesondere bei Migrationsprojekten von Unix- und Mainframe-Lösungen.

Der Grund liegt darin, dass diese hyperconverged Systems sehr einfach zu administrieren sind.“

Jürgen Renz fasst zwischenzeitlich kurz zusammen:

„In den Anfangszeiten von R/3 hat das Thema Bereitstellung von SAP-Infrastruktur durch unseren klaren Intel-x86-Fokus keine Rolle gespielt, da die Systeme in Unix-Welten ausgerollt wurden.

Im Laufe der x86-Evolution ist das Thema ECC 6.0 und natürlich S/4 mit Hana immer mehr in den Fokus gerückt. Gerade die einheitliche Plattform bei S/4 hilft unseren Kunden und uns dabei, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.“

S/4 kommt

„S/4 ist bereits relevant für Dell“

erklärt Jürgen Renz,

„da wir mit unseren Hana-Value-Identification-Services den Kunden über die Vorteile der Umstellung auf S/4 informieren.“

Bisher ist jedoch nur Simple Finance (S/4 Finance) verfügbar, und Simple Logistics (S/4 Logistics) soll bis Jahresende folgen.

„Wir glauben, dass damit die Adaption von S/4 steigen wird“

betont Renz.

Dell-Manager Gotter betont, dass S/4 nicht nur ein auf Hana laufendes ECC, sondern die nächste Generation eines ERP-Systems von SAP ist:

„Wir glauben, dass auf lange Sicht die Mehrheit der Verbesserungen S/4 erforderlich machen.“

Im Ergebnis denkt Dell, dass im Laufe der nächsten zehn bis 15 Jahre ein hoher Prozentsatz der SAP-Systeme auf S/4 gebracht werden wird.

„Wir verwenden ein SAP RDS für die Migration von BW auf Hana, und Dell ist auch mit der Activate-Methodik der SAP vertraut, um Kunden von ECC auf S/4 zu bringen“

ergänzt Jens Peter Gotter.

S/4 kann vor Ort oder in der Cloud bereitgestellt werden. Dell hat inhouse Rechenzentrums-Kapazitäten (zurzeit in den USA, Großbritannien und Irland) und kann S/4 über die Dell Cloud bereitstellen.

Cloud – aber welche?

„Cloud Computing ist ein möglicher Weg zu mehr IT-Flexibilität, aber sicher nicht der einzige“

meint Jens Peter Gotter.

„Viele Kunden erhöhen heute die Flexibilität ihrer IT mit einer On-premise- oder Private Cloud, die sie je nach Bedarf ausweiten. Daher sind auch hybride Clouds der logische nächste Schritt.“

Und Jürgen Renz verweist auf das Thema Security:

„Dabei ist natürlich immer auch das Thema Datensicherheit zu bewerten, was noch mehr zu hybriden Modellen führen muss.

Demzufolge werden die nicht kritischen Themen gegen den Markt verglichen und Marktangebote genutzt, wohingegen bei sensiblen Themen die On-premise Cloud ihre großen Vorzüge ausspielen kann.“

Für Manager Gotter ist aber wichtig, dass man bei Dell dem Kunden die Wahl lässt:

„Wir analysieren gemeinsam mit ihm sehr gründlich, welcher Weg für ihn der beste ist. Insofern führen wir natürlich unsere Kunden in die Cloud, sofern dort die höchsten Mehrwerte zu erzielen sind.

Ob das aber eine Off-premise, On-premise oder Hybrid Cloud ist, ist abhängig vom Kunden.“

Kann es eine Hana Enterprise Cloud (HEC) von Dell geben?

„Ja, eine Dell HEC ist Teil der Pläne der SAP Practice bei Dell“

erklärt der Director Global Center of Excellence Jens Peter Gotter.

„Wir sind derzeit im Zertifizierungsprozess der SAP. Diese Lösung wird die Vorteile der bestehenden Dell-Dedicated-Cloud-Angebote nutzen.“

Jürgen Renz ergänzt im Gespräch mit E-3 Chefredakteur Färbinger:

„Hana Enterprise Cloud bei Dell wird ein ganzheitliches cloudfähiges Managed-Service-Angebot sein, das alle erforderlichen Komponenten zum Support einer Enterprise-SAP-Landschaft beinhaltet.“

Aber wo verortet Dell die Plattform Hana? Im Rechenzentrum des SAP-Bestandskunden oder in der Wolke des Cloud Computings?

„Kunden haben SAP in der Vergangenheit sicherlich zunächst in ihrem eigenen Rechenzentrum angesiedelt, und daher wird in vielen Fällen auch dort zunächst Hana eingesetzt werden“

weiß Jürgen Renz aus seinen Gesprächen mit Kunden und präzisiert:

„Insbesondere bei einer schrittweisen Modernisierung ist es sinnvoll, nicht alle Parameter gleichzeitig zu ändern.

Andererseits hat Hana eine gewaltige Entwicklung durchlaufen und ist mittlerweile flexibel einsetzbar. Ich sehe daher auch den Einsatz von Hana zunehmend in Off-premise-Cloud-Lösungen.“

Hana ist bereit

Wie evaluiert man als SAP-Bestandskunde seine Hana-Plattform? Sizing für SAP BW und ERP? Dell hat eine Roadmap entwickelt, um die Kunden von Anfang (Evaluation) bis Ende (Konzeption, Umsetzung, Support) auf ihrem Weg in die Hana-Welt zu begleiten.

Es gibt Workshops als „Education“ des Kunden, was Hana ist und was für Werte-Kategorien Hana erfüllen kann. Eine Hana-Migration ist möglich mit Dells ZeroImpact-Methodik für eine minimierte Business Downtime.

Ergänzt wird dieses Angebot unter anderem durch Support mit einem breiten Angebot an Managed Services für Hana wie DBA, SAP-Basis und Sicherheit mit verschiedenen, variablen Preismodellen.

„Wir wollen unseren Kunden immer eine hervorragende Leistung zu einem fairen Preis bieten“

fasst Jens Peter Gotter im E-3 Gespräch zusammen.

„Das stellt uns vor die Herausforderung, jedes Mal aufs Neue eine optimale Hana-Plattform zu entwickeln und nachhaltig zum Wohle unserer Kunden zu optimieren.

Weiterhin haben wir unser Support- und Serviceangebot im Hana-Umfeld in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut.“

Open Source & Software Defined

Hana braucht Linux, und für das Cloud Computing setzt SAP stark auf OpenStack – Open Source ist in der SAP-Community angekommen:

„SAP wird bei unseren Kunden im Herzen der IT betrieben, also dort, wo die unternehmenskritischen Abläufe stattfinden“

weiß Jürgen Renz.

„Daher ist die Adaption von OpenStack bei unseren Kunden in diesem Bereich traditionell langsamer als bei anderen Workloads.

Die Bedeutung von OpenStack nimmt jedoch stetig zu, und kaum ein Unternehmen kann es sich heute leisten, sich nicht damit zu befassen. Dell war schon sehr früh in diesem Bereich aktiv.“

Die Dell Red Hat Cloud Reference Architecture umfasst neben der Infrastruktur und entsprechenden Services auch weitere Komponenten wie z. B. SDS (Software-defined Storage) und SDN (Software-defined Networking).

„Vor allem bei SDN-Technologien sind wir im Vergleich sehr weit und bieten hier mit Partnern ein breites Spektrum unterschiedlicher, zu OpenStack komplementärer Lösungen an“

erklärt Jens Peter Gotter.

Das Thema Software-defined Datacenter ist für SAP-Bestandskunden sehr relevant:

„Das Versprechen eines Software-defined Datacenters – höhere Flexibilisierung bei niedrigen Kosten – deckt dabei genau die Wünsche ab, die unsere Kunden hier haben“

weiß Jürgen Renz.

Dell deckt alle Bereiche von Software-defined ab.

„Neben dem klassischen Software-defined Server, der virtualisiert schon bei vielen Kunden Einzug gehalten hat, sind wir auch im Bereich Software-defined Networking sehr aktiv“

beschreibt Dell-Manager Gotter die aktuelle Situation. In der Tat ist Dell laut Gartner dort sogar eines der Unternehmen, die hier am weitesten sind. Und Jens Peter Gotter ergänzt:

„Hier liefern wir unseren Kunden die Freiheit, ein beliebiges Netzwerk-OS einzusetzen, über eine Control Plane das ganze Netzwerk zu abstrahieren wie auch virtualisierte Netzwerke à la NSX einzusetzen.“

Zuletzt hat der Bereich Software-defined Storage enorm an Bedeutung gewonnen. Damit scheint alles vorbereitet zu sein für eine Converged In­frastructure in der SAP-Szene.

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