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Open Source

Linux in der SAP-Community ist nicht neu. Der Begriff „Open Source“ ist allen bekannt. Dennoch kann man von einer Revolution sprechen. In wenigen Jahren wird die SAP-Community eine andere sein – SAP wird den Paradigmenwechsel mitmachen. Eine Alternative gibt es nicht!

Was vor wenigen Jahren als Innovation in einer Nische begann, ist heute singuläre Strategie und ein Megatrend. Angefangen hat es mit Linux, auch MaxDB war ein Versuch, sich in der Open-Source-Szene zu positionieren.

Erster Höhepunkt war der SAP-Messestand auf der CeBIT im Jahr 2001, als über allem ein überdimensionaler Tux – das Pinguin-Maskottchen der Linux-Gemeinde – thronte. Seit damals haben Open-Source-Produkte Zugang zur SAP-Szene.

Der zweite Höhepunkt war die Entscheidung, die SAP-Datenbank Hana ausschließlich auf Linux-Systemen anzubieten – seit vergangenem Sommer auf Intel-Xeon- und IBM-Power-Plattform.

Der dritte Höhepunkt könnte OpenStack werden, siehe E-3 Coverstory September dieses Jahres.

Aus Sicht eines klassischen R/3-Bestandskunden ist das Angebot von Hana-Systemen auf der Linux-Plattform bereits eine kleine Revolution. Ist doch die SAP-Community bezüglich R/3 gewöhnt, aus einer Vielzahl von Hardware, Betriebssystemen und Datenbanken (AnyDB) wählen und kombinieren zu können.

Die SAP-Roadmap 2025 besagt aber deutlich: IBM oder Intel, Linux, Hana sowie S/7 (Business Suite 7 auf Hana, SoH) oder S/4 (aktuell: Simple Finance und Simple Logistic).

Der Übergang wird kein leichter sein, denn die SAP-Bestandskunden haben mit dem R/3-Paradigma erfolgreiche Systemlandschaften aufgebaut. Das Interesse am Neuen ist noch äußerst gering, wie die Zahlen einer DSAG-Umfrage belegen, siehe Seite 32 dieser Ausgabe.

ERP/ECC 6.0 und Business Suite auf AnyDB (IBM DB2, Oracle, MaxDB, Microsoft SQL-Server) ist noch tonangebend und wird es wahrscheinlich bis 2025 bleiben – der neue SAP-Vorstand Michael Kleinemeier hat die Wartung von S/7 Classic bis „mindestens“ 2025 in seiner DSAG-Keynote dieses Jahr in Bremen nebenbei, aber präzise formuliert.

Linux ist ein Freimachen von Unix-Derivaten und Windows Servern. Die noch erfolgreichen Cloud-, Storage- und Virtualisierungs-Anbieter werden mit Open-Source-Alternativen rechnen müssen. OpenStack für eine offene, transparente und kompatible Cloud-Lösung ist nur der Anfang – das nächste „SAP-Opfer“ ist schon im Fokus:

VMware war und ist der Erste unter den Ersten, wenn es um das Thema Virtualisierung von SAP-Systemlandschaften geht. Diese Monopolstellung dürfte aber in Walldorf auf wenig Gegenliebe stoßen.

Kommerziell gesehen gibt es für VMware nur wenige Alternativen. Somit werden im Open-Source-Bereich Vorbereitungen getroffen, eine stabile Virtualisierung für Hana mit Linux-Ergänzungen und Werkzeugen aufzubauen.

Details dazu wird es Anfang 2016 geben. SAP hat ein logisches Interesse, die Infrastruktur für die Hana-Plattform kompatibel und offen zu halten.

Ausgangspunkt war Linux, danach kam OpenStack, bald wird eine zertifizierte Open-­Source-Virtualisierungslösung (Software Defined Server) kommen und dann folgen die Themen Software Defined Storage und Networking bis hin zum Software Defined Datacenter für Hana – natürlich alles auf Open-Source-Basis!

Gewollt oder gezwungen?

Sicher ist, dass SAP jede neue Abhängigkeit und Komplexität von und durch andere IT-Anbieter in Zukunft vermeiden will. Hier ist Open Source für die Walldorfer die perfekte Exit-Strategie.

Jede Fesselung wird bereits im Kern erstickt. Linux, Hadoop, Apache und OpenStack lassen sich von zahlreichen Dienstleistern implementieren und warten. Der Zugang zu der Software ist frei und die Ausbildung der eigenen IT-Mannschaft wesentlich preiswerter als die Zertifizierungen durch die Hersteller proprietärer Software.

SAP eröffnet ihren Bestandskunden ein weites Feld an Alternativen, während bisherige Monopolisten wie VMware oder EMC das Feld werden räumen müssen.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten: Gewollt ist von SAP wahrscheinlich die Stärkung und Singularität, die Open Source bringt. Gezwungen?

In diesen schlechten Zeiten, wo der Anwender durch intelligente und autonome Software ausgetrickst wird – siehe VW-Dieselskandal –, ist Open Source die letzte Rettung.

„Wir können uns nicht auf die Ehrlichkeit der Hersteller verlassen. Wie soll das erst werden, wenn das Internet der Dinge wirklich kommt? […] Wollen wir wirklich eine Zukunft, in der uns die Dinge um uns herum nach Strich und Faden verarschen?“

schreibt Jürgen Schmidt von der ct-Redaktion (Heise Verlag) vollkommen richtig im Editorial vom 17. Oktober.

Seine Antwort:

„Der einzige Weg, das noch zu verhindern, ist eine konsequente Offenlegung der Software […] Zwar kann auch Open Source betrügen. Doch ist die Gefahr, dabei erwischt zu werden, so offensichtlich, dass sich die meisten Hersteller das wohl mindestens zweimal überlegen würden.“

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen – außer der Hoffnung, dass der SAP-Vorstand in Walldorf nicht nur das E-3 Magazin, sondern auch das Magazin für Computertechnik liest.

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