Mister No/Name

Chief Digital Officer

Haben wir auch! Wir haben weltweit sogar mehrere Chief Digital Officers (CDO), die sich aber um Digital Use und Business Cases sorgen und nicht darum, ob einer unserer Lieferanten oder Kunden mit einer Kreditkartentransaktion abgerechnet wird. Bei SAP ist wieder einmal alles anders.

Die Sache war mir von Beginn an suspekt: SAP braucht einen CDO? Und SAP findet niemand Besseren als den eigenen CMO (Chief Marketing Officer). Dem Mann sei es vergönnt: Bei uns wäre eine Karriere vom CMO zum CDO nicht möglich.

Umso interessierter las ich das Interview des SAP CDO Jonathan Becher auf handelsblatt.com – warum finde ich solche Interviews nie im E-3 Magazin?

Der SAP CDO hat ambitionierte Ziele: Er meint, dass Papier und Vertriebsbeauftragte einer alten, analogen Welt angehören. Wenn ich das Interview richtig interpretiere, dann will CDO Becher die SAP-Verkäufer abschaffen und die Bestandskunden sollen die Pflegegebühr mittels Kreditkarte zahlen.

Das passt ins allgemeine Walldorf-Bild: Dort werden schon wieder Mitarbeiter freigesetzt – nicht plötzlich und spektakulär, sondern mit langen Übergangszeiten. Bis zu drei Jahre dürfen sich ausgewählte Mitarbeiter mit vollen Bezügen in Frührente begeben.

Besonders stolz ist Jonathan Becher auf sein Bezahlsystem mit Kreditkarte für SAP-Cloud-Services. Wo lebt dieser Mann? Laut eigenen Angaben in Palo Alto, USA. Wo er jedoch intellektuell verortet ist, kann nicht wirklich festgestellt werden.

Jedenfalls ist die Bezahlung mittels Kreditkarte keine echte Cloud-Computing-Innovation – vielleicht in Walldorf?

Am besten hat mir diese Aussage gefallen:

„Ich leite sozusagen ein Orchester aus Experten, die ein unbekanntes Stück namens Digitalisierung zusammen erarbeiten müssen. Meine Aufgabe ist es, Misstöne zu verhindern.“

Digital Transformation ist kein unbekanntes Stück, sondern Realität für jeden SAP-CIO. Warum haben wir in Hana investiert, weil uns die Digital Transformation bewusst ist. Auch das mit den Misstönen scheint ihm nicht wirklich zu gelingen: Die Stimmung in Walldorf ist katastrophal.

Wie packen Sie 600 Millionen Tonnen Fracht in eine Box, in die nur 216 Millionen passen? Diese Frage las ich unlängst auf Spiegel Online, darunter war ein SAP-Logo – es war also ein Werbebanner.

Ich hatte Glück: Wenige Tage später hatten wir in St. Leon-Rot ein Executive Meeting und allen anwesenden SAP-Kollegen stellte ich diese Frage – keiner wusste eine Antwort, aber jeder schimpfte auf das SAP-Marketing, beheimatet im fernen New York City.

Einer meiner SAP-Golfpartner nahm mich dann zur Seite und meinte: Hana soll es richten, aber sei froh, dass du nicht in Orlando auf der Sapphire warst, die war dieses Jahr voll mit solchen intelligenten Fragen.

Ich mache mir Sorgen um SAP: Mit Managern wie CDO Becher und einem Marketing, das auf billige Effekte aus ist, auf der einen Seite; Entlassungen, schlechten Zahlen für ECC 6.0 on Hana, Anlaufschwierigkeiten bei S/4, einem ungeduldigen Aufsichtsratsvorsitzenden und extrem hohen Umsatzvorgaben auf der anderen Seite; so kenne ich die Walldorfer nicht.

An unserem SAP-Stammtisch gibt es nur noch ein Thema: Lizenzvermessung und die Versuche der SAP, noch mehr Lizenzen zu verkaufen. Die Preisliste aus dem ersten Quartal zielt deutlich darauf ab, mit gewandelten Verträgen noch mehr Geld aus den Bestandskunden herauszupressen.

Hier scheint SAP jedes Mittel recht zu sein. Die Analysten von Gartner sind mitunter wahre Propheten! Bereits im Herbst 2013 verfassten sie eine Note, in der auf die Wertigkeit von SAP-Altverträgen hingewiesen wurde.

Niemals hatten Analysten mehr recht als diesmal. Als besonders perfide betrachten die CIOs an unserem Stammtisch das beim SAP-Kunden Daimler entwickelte Lizenzvermessungs-Toolset. I

ch habe davon durch meinen CCC-Leiter erfahren, der am DSAG-Webinar Lizenzvermessungstool Mitte März teilgenommen hat. Der Hebel, um die Auster aufzubrechen, ist raffiniert: SAP gibt vor, dem Bestandskunden bei der Rechteverwaltung und Zuordnung seiner Anwender unterstützen zu wollen – nicht ohne das neue Werkzeug in den Himmel zu loben und dafür auch Lizenzgebühren zu verlangen, obwohl das Stückchen Software noch nicht einmal SolMan-kompatibel ist.

Das SAPsche Lizenzvermessungswerkzeug wird als Verwaltungsinstrument und Berechtigungswerkzeug für Anwender und SAP-Module angepriesen. In Wirklichkeit ist es ein Schnüffelprogramm, um SAP mitzuteilen, wer welche Module verwendet, welche Berechtigungskonzepte und Rollen existieren und ob das alles mit der Lizenzgebarung und Vermessung übereinstimmt.

Man kann davon ausgehen, dass spätestens drei Monate nach dem Customizing des Lizenzvermessungstools der SAP-VB mit einer Lizenzrechnung vor der Tür steht.

Mein Corporate-CCC-Leiter hat mir den Link zum DSAG-Webinar organisiert, nach dem Einloggen findet sich die Aufzeichnung plus zwei „hilfreiche“ PDFs: CDP – Corporate License Measurement, die Unterlagen zum DSAG-Webinar von Eckhard Lehrer, SAP Custom Development Sales (März, 2015) und Automating SAP License Measurement, ebenfalls von Eckhard Lehrer (etwas älter aus Mai 2013, Confidential).

Soweit ich es verstanden habe: für jeden CCC-Leiter sowie Justiziar und Syndikus eine Pflichtlektüre. Mit dieser „Sommerlektüre“ verabschiede ich mich bis zum September und wünsche erholsame Ferientage.

[email protected]

 

 

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