Mister No/Name

Weihnachten für die SAP-Community

Das Jahresende soll versöhnlich ausklingen. Zeit, um den Schreibtisch aufzuräumen. Vielleicht auch ein Resümee zu ziehen. Wir haben einen Workshop mit den Analysten von Gartner gemacht, um unsere SAP-Lizenzen zu sichten. Rückblickend ist Erstaunliches in der Community passiert.

Dieses Jahr haben wir uns selbst beschenkt: Von Gartner kam die Idee, in Form eines Workshops unsere Lizenzen zu sichten und zu evaluieren.

Heraus kamen spannende Stunden und ertragreiche Erkenntnisse. Wir hatten eine ähnliche Arbeitssitzung 2001 und jetzt sollte nach nun zwölf Jahren die Geschichte weitergeschrieben werden.

Natürlich verwenden wir einschlägige Werkzeuge zur Lizenzverwaltung. Unser Controlling und die Hausjuristen machen einen perfekten Job. Und oft genug ist SAP zu einer Lizenzvermessung irgendwo zugegen.

Das Thema war somit nicht eine Über- oder Unterlizenzierung!

Wir stellten uns eine wesentlich schwierigere Aufgabe: Konsolidierung der vorhandenen Lizenzen mit den möglichen und tatsächlich genutzten Funktionen.

Vollständige Anpassung

Gleich zu Beginn des Gartner-Meetings gab es einen Powerpoint-Screen, dessen Inhalt mir nicht neu ist, dessen ich mir aber nicht bewusst war: Über die Jahre hat SAP fast das gesamte Lizenzschema adaptiert, nicht immer zum Vorteil von uns Bestandskunden.

Kurz nach der Jahrtausendwende war die User-License-Funcionality noch das dominierende Modell, neben wenigen Engines-Preisen.

Es war die mySAP.com-Zeit etwa von 2000 bis 2002.

Dann kam das Zeitalter der Business Suite (2002 bis 2006) und User-License-Functionality sowie Engines waren gleichberechtigt in der Preisliste vertreten.

Ab 2006 propagierte SAP vehement Applikationen mit Engines- und Packages-Preisen.

Zugegeben, für den Konzern war das immer sekundär von Bedeutung, laufen wir doch unter GEA/PSLE (Anm. d. Red.: Global Enterprise Agreement und Product Support for Large Enterprises mit 17 Prozent Pflegegebühr).

Alle Lizenzthemen abgedeckt

Der Workshop mit Gartner war aber gemeinsam mit den Bereichs-CIOs und Industriebeteiligungen organisiert, sodass wir jedes Lizenz-Thema auf der Tagesordnung hatten.

Und es war wirklich interessant, aus höherer Perspektive zu sehen, wie SAP das funktionale Angebot von User Licenses hin zu Engines und Packages verschoben hat.

Der Vollständigkeit wegen und für meine Kollegen am SAP-Stammtisch.

Die Application User Licenses basieren momentan auf folgenden Typen:

  • Developer
  • Professional
  • Limited Professional
  • Employee
  • Special oder Customized User
  • Employee Self Service
  • ESS Core.

Die Pointe und gleichzeitig Warnung der Analysten von Gartner ist das verdeckte Wandeln von existierenden Lizenzverträgen.

Wer also noch einen alten mySAP.com-Vertrag hat, sollte sich diesen unter keinen Umständen abschwatzen lassen, denn dort können noch viele Benutzerrechte verborgen sein, die mit einem gewandelten Vertrag sich in Luft auflösen oder durch teure Engine-Preise neuerlich aktiviert werden müssen.

Auch wenn man bisher nicht alle Rechte aus dem mySAP.com-Vertrag aktivierte – wer weiß, was die Zukunft bringt?

Gartner weist ausdrücklich auf genaues Studium der Lizenzverträge hin plus penible Dokumentation beim Vertragsabschluss über Leistung und Rechte.

Warum? Wir leben gemeinsam mit unserer SAP in einer sehr dynamischen Zeit: Was heute noch erlaubt ist, muss morgen durch eine teure Engines eingekauft werden.

Sich ständig ändernde Produktnamen und Metriken machen die Sache nicht gerade leicht.

Industrie 4.0

Anderes Thema: Nach der beschämenden E-3 Coverstory im November „Industrie 4.0“ habe ich mich umgehört. Ganz falsch war es nicht, aber der Horizont war zu eng gesetzt.

Industrie 4.0 mag ein Thema werden, was jedoch schon ein Thema ist und ein Megatrend wird: IoE, Internet of Everything.

Ex-SAP-CEO Henning Kagermann propagierte es in seiner aktiven Zeit: Internet der Dinge. Nur damals wollte noch niemand auf ihn hören.

Heute scheint das anders zu sein und wir stehen erst am Beginn der Entwicklung:

Die nächste IT-Revolution wird durch eine sehr simple Tatsache ausgelöst: Jedes Ding, das mehr als 100 Euro kostet, trägt zumindest einen Sensor in sich.

Wie gesagt, ich habe mich im Konzern bei den Abteilungen für Produktentwicklung umgehört und fast überall die gleiche Auskunft bekommen.

Die Chippreise fallen rapid, sodass fast überall ein Internet-fähiges Interface vorhanden sein wird. Und dann brauchen wir IPv6 und vielleicht Hana, um der Datenmenge all dieser Sensoren wieder Herr zu werden.

Last but not least

Letztes Thema für dieses Jahr: Wer regelmäßig meine E-3 Kolumne liest, weiß um das ambivalente Thema Hana versus DB2 Blu.

Am Rande unseres Gartner-Meetings fragte ich nach der Einschätzung der Analysten.

Kurze Antwort: Vergessen Sie Oracle und IBM DB2 Blu, denn für SAP-Bestandskunden kommt die „Killer-Application“ von Microsoft mit dem SQL-Server 2014.

Dieser wurde jahrelang auf die Bedürfnisse von R/3 trainiert und hat ab kommendem Jahres auch eine In-memory-Computing-Erweiterung.

Hana ist heute noch schneller, aber wenig optimiert auf die wahren Bedürfnisse meiner Business Suite – für meinen Konzern wird es somit bei IBM DB2 Blu bleiben, meinen SAP-Stammtischkollegen rate ich, einen Blick auf MS SQL-Server 2014 zu werfen.

Danke für Ihre Treue zu meiner Kolumne, schöne Feiertage und ein erfolgreiches Jahr 2014.

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