MAG 1310 Szene

Hassos Traum

[shutterstock:462311218, argus]
[shutterstock:462311218, argus]

Walldorf ist Plattner nicht genug. Auch Europa scheint ihm zu eng zu werden. Ungeachtet der Tatsache, ob nun SAP international oder global ist: Hasso Plattner sieht die Rettung seiner SAP im US-amerikanischen Silicon Valley mit den dort gelebten Werten.

Der geheime Plan von Hasso Plattner: Wenn der Firmenmitgründer und Aufsichtsratsvorsitzende braun gebrannt und gut gelaunt in Palo Alto, USA, mit SAP-Vorstand und CTO Vishal Sikka debattiert und scherzt, dann spürt man förmlich seine Begeisterung für das Silicon Valley und seine Abneigung gegen „old Europe“.

Walldorf und das solide deutsche Denken hält der Professor sowie Namens- und Geldgeber des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam nicht mehr für zeitgemäß. Kenner der Szene sind nicht wenig darüber erstaunt, wurde doch das neue SAP-Vorzeigeprodukt Hana am HPI in Potsdam geboren und in Walldorf weiterentwickelt.

Auch mit den Empfehlungen und Vorschriften des deutschen Aktienrechts ist Hasso Plattner nicht glücklich. Als Aufsichtsratsvorsitzender der SAP AG sind ihm „Aufsicht“ und „Rat“ zu wenig. Er hat Spaß an der Arbeit und will auch operative Erfolge feiern.

In den USA ist über seine aktive Rolle niemand erstaunt, aber in Europa beobachtet man misstrauisch die fehlende Distanz zwischen Firmenleitung und Firmenaufsicht.

Noch sind Börsenaufsicht und Aktionäre nicht aktiv geworden. Wenn sich Plattner 2014 aber den operativ denkenden Jim Hagemann Snabe direkt von seinem Co-CEO-Sessel in den Aufsichtsrat holt, könnte es zu Unstimmigkeiten kommen.

Die deutsche Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e. V. (SdK) hat den für Mai 2014 geplanten Wechsel von Jim Hagemann Snabe in den SAPAufsichtsrat kritisiert.

„Wir sind strikt dagegen“

erklärte Vereinsvorstand Daniel Bauer gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die SdK halte eine zweijährige Karenzzeit vor einem Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat für unumgänglich.

Damit solle vor allem sichergestellt werden, dass Ansprüche aus möglichen Pflichtverletzungen von ehemaligen Vorstandsmitgliedern vom Aufsichtsrat geprüft würden. Auch der Kodex für gute Unternehmensführung sehe für deutsche Unternehmen eine solche Karenzzeit vor, die allerdings ausgehebelt werden könne, sofern der Wahlvorschlag von mindestens 25 Prozent der Stimmrechte unterstützt wird.

Hasso Plattner bestätigte bereits in einem Analystengespräch, dass diese Hürde auf der Hauptversammlung in Mannheim im Mai 2014 kein Problem sein wird, und Daniel Bauer von der SdK e. V. beschreibt es gegenüber dpa ähnlich:

„Das sollte angesichts der Aktionärsstruktur bei SAP kein Problem sein. Die SAP-Gründer, zu denen Hasso Plattner zählt, halten zusammen 22,7 Prozent der Stimmrechte, drei Prozent der Aktien hält das Unternehmen selbst.

Die SdK hat daher voraussichtlich keine Handhabe, um die mögliche Wahl von SAP-Co-Vorstandschef Hagemann Snabe in den Aufsichtsrat zu verhindern.“

Vielleicht besinnt sich SAP-Mitgründer Dietmar Hopp seiner eigenen, alten Werte und legt bei Plattner ein Veto ein.

Die zwei wichtigsten SAP-Produktpräsentationen in diesem Jahr – Suite on Hana und die Hana Enterprise Cloud – fanden unter reger Teilnahme von Hasso Plattner in Palo Alto statt. Ein für Europa unvorstellbarer Tabubruch.

Der Aufsichtsratsvorsitzende als Powerpoint-Präsentator vor Fachjournalisten. In „old Europe“ ist die Rolle des Vorstands und des Aufsichtsrats sorgfältig definiert und getrennt. Im Wort „Aufsichtsrat“ steckt die stringente Aufgabenbeschreibung: Aufsicht und Rat.

Ein Schelm, wer nun Böses denkt: Dennoch will Plattner über alle Bedenken europäischer Compliance-Experten hinweg Hagemann Snabe zum Aufsichtsratsmitglied machen.

Damit wird der SAPAufsichtsrat noch mehr eine Konkurrenzveranstaltung zum Vorstand. Hasso und Jim im Aufsichtsrat sind die operative Schaltzentrale schlechthin: Wie lange Bill McDermott dieses Damoklesschwert über sich akzeptieren wird, ist ungewiss – weitere Personalrochaden stehen SAP somit ins Haus.

Plattner wurde in diesem Zusammenhang auf eine Abkühlungsphase für Jim Hagemann Snabe angesprochen: „Keine Notwendigkeit“, meinte er und widersprach damit allen europäischen Governance-Empfehlungen.

Hasso Plattner verbringt beruflich wie privat einen Großteil seiner Zeit in Amerika und Umgebung. Der SAP CTO Vishal Sikka sitzt in Palo Alto, USA.

In Europa wurde dieses Jahr die Position des Personalvorstands für entbehrungswürdig definiert: Warum sollte auch ein Unternehmen, das überwiegend von den Fähigkeiten seiner Mitarbeiter lebt, für diese auch einen Personalvorstand brauchen?

Es ist nicht zu übersehen: Europa und die SAP-Bestandskunden, die den ERP-Konzern groß und global gemacht haben, sind in Gefahr.

 

Ein Kommentar von Peter M. Färbinger, Chefredakteur E-3 Magazin

 

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel.: +49(0)8654 77130-21

Hinterlassen Sie einen Kommentar

AdvertDie Meinung 2