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SAP goes USA! Wirklich?

Die Quantität der Verlautbarungen aus Walldorf ist zurückgegangen. SAP wird immer mehr ein normales internationales Unternehmen mit seinen Vorzügen und Nachteilen. Als Jim Hagemann Snabe vor einigen Wochen seinen Rückzug aus dem Vorstand der SAP bekannt gab, ermöglichte uns dies mehr Einblick in die Steuerung der SAP. Es war aber auch Anlass für viele, sich die möglichen Folgen auszumalen.

SAP hatte als gründergeführter Konzern stets nur eine geringe Fluktuation im Vorstandsbereich, wobei wir das Ausscheiden von zwei der fünf Gründer und die Veränderungen im damaligen erweiterten Vorstand nicht vergessen dürfen.

Inzwischen, ein paar Doppelspitzen und große Zukäufe später, sind es nur noch Gerhard Oswald und Werner Brandt, die seit 1996 beziehungsweise seit 2001 kontinuierlich im SAPVorstand sind.

Da trifft es sich übrigens gut, dass Oswald seinen im Jahr 2014 auslaufenden Vertrag bis 2016 verlängern will und Werner Brandt langfristig mit Luca Mucic einen kompetenten Nachfolger aufgebaut hat.

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Neue Sprache: Englisch

Der oder die Vorstandssprecher stammen schon seit Jahren nicht mehr aus dem Ursprungsland der SAP.

Neu ist allerdings, dass mit Bill McDermott erstmals ein Nichteuropäer alleiniger Vorstandssprecher werden wird.

Allerdings steuert der bereits heute seine Geschäfte vorrangig aus den USA. Dass er intensiv Deutsch lernt, wie er in Interviews gerne betont, ist eher der Höflichkeit geschuldet als der Sprachkultur bei SAP.

Bereits heute sind die meisten länderübergreifenden Meetings bei SAP auf Englisch.

Auch Entwicklung, Marketing, Training und selbst die Vertriebsprogramme sind seit vielen Jahren zuerst in Englisch verfügbar.

In welcher Sprache auch sonst?

Aus AG wird SE

Zusammen mit der schon lange geplanten Umwandlung der SAP AG in eine Europäische Aktiengesellschaft (SE) wurde kolportiert, dass damit ein wichtiger Schritt gemacht wurde, den Stammsitz der SAP in die USA zu verlagern.

Wirklich? Eine SAP SE kann den Unternehmenssitz tatsächlich leichter ins Ausland verlegen, allerdings nur innerhalb Europas.

Zu Zeiten eines Vorstandssprechers wie Léo Apotheker hätte das die Gerüchteküche angeheizt. Er hat ja öfter die Provinzialität von Heidelberg beklagt und im gleichen Atemzug Paris gelobt.

Als ich noch bei der SAP gearbeitet habe, gab es ein Programm namens NextGeneration@SAP. Eine kleine Gruppe Mitarbeiter durfte einen ganzen Tag mit dem kompletten Vorstand über zukünftige Entwicklungen und Marktchancen diskutieren.

Hasso Plattner war zu der Zeit als Vorstandssprecher dabei. Als es um die Umsetzung einer von einer Kollegin vorgeschlagenen Idee ging, meinte er, dass die Überzeugung von Vorstand und Mitarbeitern nicht reiche.

Wenn das mittlere Management nicht mitzieht, gibt es keine Umsetzung.

Wir lachten. Später lernten wir, dass er recht hatte.

Heute würde Hasso Plattner lachen. Inzwischen ist er Vorsitzender des Aufsichtsrats und steuert mehr (oder weniger) unauffällig viele Entwicklungen und gibt Impulse.

Auch Vishal Sikkas Karriere wurde von ihm aktiv unterstützt. Beim aktuellen Takt der Veränderungen im Vorstand ist es gut, dass das Management unter dem Vorstand stabil ist und es die SAP voranbringt.

Mal ehrlich, wer von uns hat denn regelmäßig mit dem Vorstand zu tun?

Umsetzung geschieht auf anderer Ebene

Schaut man sich das Organisationschart der SAP an, stellt man fest, dass die Internationalisierung schon lange Einzug gehalten hat. Viele neue Initiativen werden nicht mehr von Walldorf aus gestartet, sondern kommen woanders her.

Natürlich aus den USA, vermehrt aber auch aus Asien und sogar aus Südamerika.

Ist das schlecht? Es ist wohl eher eine Frage der Erwartungshaltung.

Viele neue Technologien müssen sich erst beweisen. SAP war bisher nicht der große Innovator, sondern hat den Markt beobachtet und erfolgreiche Modelle behutsam adaptiert.

Diese Strategie kam den SAP-Partnern weltweit zugute. Sie hatten Zeit, neue Themen aufzugreifen und neue Projekte mit Pilotkunden umzusetzen.

SAP-Kunden hatten so stets die Gewähr ausgereifter Funktionalität.

Globaler Markt

Als SAP-Partner verkaufen wir unsere Leistungen zunehmend global. Im Cloud-basierten Umfeld verschwinden weitere Grenzen.

Was wir benötigen, sind frühe Informationen, Verlässlichkeit in der Umsetzung und gegebenenfalls Support.

Mit starken Partnerlösungen werden auch die Kunden der SAP besser unterstützt.

Ein alleiniger Vorstandssprecher, noch dazu ein genialer Vertriebsmann aus den USA? Warum nicht? Die vergangenen Jahre gehörten zu den erfolgreichsten der SAP.

Was halten Sie von diesem Szenario:

Jim Hagemann Snabe wird 2014 in den Aufsichtsrat gewählt und übernimmt zunehmend die Aufgaben von Hasso Plattner.

Bill McDermott, der bereits eng mit dem politischen Establishment der USA verbunden ist, übernimmt nach seiner Amtszeit weitere Aufgaben.

Wenn dann Michael Kleinemeier in den Vorstand aufrückt, ist der Kreis geschlossen.

Was ist allen möglichen Szenarien gemein:

SAP goes (more and more) international. Das ist gut so. Für die Kunden der SAP, für die Partner und die Mitarbeiter.

Auch für die Mitarbeiter aus Walldorf.

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