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Cloud Computing ist Wirtschaftsspionage

Schadenfreude ist keine ehrenwerte Tugend. Als ich auf Spiegel Online die Berichte über das Spähprogramm Prism der US-amerikanischen NSA (National Security Agency) las, musste ich an all meine Kritiker denken: Warum traut sich dieser CIO nicht in die Wolke? Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Es muss eine chaotische Zeit sein bei meinen lieben Kollegen, die ihre CRM-Anwendungen, E-Mail-Systeme und ganze ERP-Applikationen in die Wolke verschoben haben.

„Heute bist du wieder gut aufgelegt“, stellt selbst die beste aller Ehefrauen fest und setzt sich zu mir, um meine monatliche E-3 Kolumne als Erste zu lesen.

Gerne erkläre ich ihr, was geschehen ist: Genaues weiß man noch nicht, aber Tatsache ist, dass amerikanische Geheimdienste nicht nur massives Interesse an den Datenströmen im Internet haben, sondern auch Möglichkeiten gefunden haben, diese Daten ohne viel Aufhebens abzugreifen.

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„Ja, ja“, meint meine Ehefrau wissend, „habe ich auch schon gehört. Ich bin nur neugierig, was die in meinem Facebook-Account finden wollen?“

Ich bin mir nicht sicher, ob es nur um die Abwehr terroristischer Aktionen geht. Im Internet finden sich auch noch andere interessante Dinge und seit Cloud Computing befindet sich dort mitunter der gesamte E-Mail-Verkehr eines 
Unternehmens.

Wirtschaftsspionage ist wahrscheinlich seit Cloud Computing wesentlich einfacher geworden. In der Presse liest man momentan nur von Social Media und erwähnt werden Firmen wie Facebook, Google und Microsoft.

Aber Google, Microsoft, Apple, salesforce und auch SAP bieten Internetdienste an, die mit NSA-Technik abgegriffen werden können.

Noch weiß man nicht, ob von dem Spähprogramm Prism auch Business Applications betroffen sind oder nur Social-Media-Anwendungen.

Letztendlich würde es technisch keinen Unterschied machen, ob ein Facebook-Account abgegriffen wird oder der Projektplan eines Unternehmens in der Microsoft Cloud.

Kritischer Faktor – Cloud

Ich hatte nie an die Dimensionen gedacht, die momentan durch Prism öffentlich werden. Aber meine Scheu gegenüber Cloud Computing will ich nicht verleugnen.

Leider hatte ich noch keine Gelegenheit, mit meinem Kollegen von Hilti zu telefonieren. Er hat mit SAP Business ByDesign viele geschäftskritische Anwendungen in die Wolke gehoben.

Nun glaube ich nicht, dass die US-amerikanische NSA direkten Zugriff auf SAP-Rechenzentren hat, aber was nicht offiziell 
erlaubt ist, kann zumindest technisch denkbar sein.

Demnach ist es für mich eine Horrorvision, die eigenen CRM– und Mail-Server einem Cloud-Computing-Anbieter wie Google oder Microsoft zu überlassen.

Bereits in meiner Kolumne von vergangenem Juni habe ich über den Wahnsinn einer Hana Enterprise Cloud geschrieben und viele Kollegen haben mir im doppelten Sinn recht gegeben:

  1. niemals die Unternehmensbücher und geschäftskritischen Anwendungen in die Wolke
  2. kein Vertrauen bezüglich Cloud Computing für SAP.

Unsere geschätzten Walldorfer haben in den vergangenen Jahren konsequent jedes RechenzentrumsWissen abgebaut und veräußert, unter anderem an T-Systems.

Jetzt wollen uns ausgerechnet Hasso Plattner und Vishal Sikka glauben machen, dass Unternehmensdaten in einer SAP-Wolke sicher sind.

Es gibt SAP-Partner wie itelligence, Freudenberg IT, T-Systems oder All-for-one, die in den vergangenen Jahren konsequent in IT-Outsourcing und Hosting investiert haben.

Hier mag eine gewisse Wolken-Kompetenz vorhanden sein. Solange aber 
Vishal Sikka mit Andreas von Bechtolsheim die Hana Enterprise Cloud präsentiert, mache ich mir um die Datensicherheit sehr große Sorgen.

Nicht überall, wo Cloud Computing draufsteht, muss auch ein NSA-gehacktes Wolkenkuckucksheim vorhanden sein.

Meine Schadenfreude gilt nur meinen naiven Kollegen, die ohne jeden Zweifel den gesamten E-Mail-Verkehr in die Wolke verschoben haben.

Was passiert jetzt mit den CRMDaten in der salesforce-Wolke?

Ist dieses CRMCloud-Computing auch schon von der NSA korrumpiert worden?

Wie viel Spott musste ich ertragen? Als rückständiger und zaudernder CIO wurde ich bezeichnet, nur weil ich nicht blindlings zum Wolkenkuckucksheim strebte.

Aber ich bin der Cloud-ComputingTechnologie in keiner Weise abgeneigt: Private Cloud Computing ist eine wichtige und richtige Option zur Virtualisierung.

Und ernsthaft diskutieren wir den Aufbau einer Private Hana Enterprise Cloud für unsere Business Suite. Entsprechende Signale habe ich schon Richtung Gerd Oswald und Bernd Leukert abgesetzt, weil das Konzept und die Technik überzeugend sind.

Was es aber sicher nicht geben wird, eine Internetverbindung in mein privates Wolkenkuckucksheim für die NSA, auch nicht für Google.

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