Coverstory 1304 MAG 1304

Der Logistik-Optimierer

2013
Geschrieben von E-3 Magazin

Der Erfolg von betriebswirtschaftlicher Standardsoftware ist unbestritten. Nach der Verwaltung, dem Rechnungs- und Personalwesen werden Produktion und Logistik die erfolgreichen Themen für SAP-Partner sein. Das Unternehmen G.I.B ist im Bereich MRP- und SCM-Optimierung eines der führenden Systemhäuser. Mit Geschäftsführer Michael Schuster sprach E-3 Chefredakteur Peter Färbinger über Wachstum, Entwicklung und Zukunft der eigenen Produkte und Dienstleistungen.

Angefangen hat es mit dem SAP-Add-on G.I.B Dispo-Cockpit, und wie der Name unschwer vermuten lässt, liegen die Wurzeln in der Disposition, die im klassischen R/3-Umfeld schwach ausgeprägt war. Der Erfolg gibt dem SAP-Partner G.I.B recht.

Im Gespräch mit dem E-3 Magazin erklärt G.I.B-Geschäftsführer Michael Schuster:

„Das G.I.B Dispo-Cockpit ist im Laufe der Jahre rasant gewachsen und bietet heute bilanzwirksame Funktionen und Möglichkeiten, die weit über die Disposition hinausgehen und fast die gesamte logistische Wertschöpfungskette abdecken.

Aus unserer Dispositions-Software mit ABC- und XYZ-Analyse ist ein High-End-Produkt für die Logistik-Optimierung geworden. Eigentlich müssten wir unser Dispo-Cockpit umbenennen in SCM-Pilot, Process-Optimizer oder ROI-Maker for Logistical Processes.“

Supply Chain Management (SCM) und Material/Manufacturing Resource Planning (MRP) sind die großen He­rausforderungen bei einem flächendeckenden Einsatz von SAP-Software in Produktionsbetrieben.

Der wachsende Einsatz von IT bei der Produktionsplanung und Produktionssteuerung sowie Logistik hat den neuen Modebegriff Industrie 4.0 hervorgebracht. Noch diskutieren die Fachleute über Sinn und Bedeutung von Industrie 4.0.

Unbestritten ist jedoch, dass Aufbau- und Ablauforganisation in der Produktion und Logistik ohne weitreichende IT nicht mehr auskommt. SCM und MRP sind auf die Unterstützung durch die Informationstechnologie angewiesen.

Michael Schuster

G.I.B Dispo-Cockpit ist ein SAP-zertifiziertes Add-on, das den gesamten Planungsprozess innerhalb der Supply Chain unterstützt.

„Um den unterschiedlichen Bedürfnissen unserer Kunden gerecht zu werden, haben wir das Produkt in modulare Bausteine unterteilt“

beschreibt Schuster die Entwicklung:

Variable Absatzplanung und Prognose ist der Ausgangspunkt, über weitreichende Verbesserung des MRP-Prozesses und der Weiterbearbeitung der MRP-Ergebnisse geht es weiter zu Dispositions-Controlling-Funktionalitäten, über die Möglichkeit, Dispositions-Strategien abzubilden, bis hin zu Entscheidungsbäumen mit dem Ziel einer nachhaltigen Bestands-Optimierung.

Die Folgeprozesse in Einkauf und Fertigung, rund um Kanban, VMI sowie Terminierung, Kapazitäten, Reihenfolgeplanung werden zusätzlich unterstützt.

„Wir haben eine klare Vision, was die Marktdurchdringung des Dispo-Cockpit angeht“

betont Michael Schuster

„Wir wollen innerhalb der kommenden fünf Jahre jeden zweiten Kunden, der SAP-ERP-Logistik einsetzt, auch zu einem Dispo-Cockpit-Kunden machen.“

Und Jürgen Eschmann, Leiter SCM-Consulting von G.I.B, ergänzt:

„Die Module sind vollständig in einem eigenen Namensraum in SAP integriert. Wer in der SCM-Kette Transparenz schaffen will und wer effektiv und zielgerichtet arbeiten möchte, für den ist unser G.I.B Dispo-Cockpit ein absolutes Muss.

Unser Cockpit bietet nicht nur Bestands- und Prozess-Optimierung, sondern sorgt darüber hinaus auch für zufriedene Kunden. Denn nur ein gesundes Lieferkettenmanagement sorgt für eine gesunde Kundenbeziehung, mit kurzen und zuverlässigen Lieferzeiten durch effiziente Prozesse, mit fairen Preisen durch optimale Bestände und mit freundlichen Mitarbeitern durch stressfreie Navigation. Mit unserer Consulting-Unit bieten wir unseren Kunden eine schnelle Optimierung ihrer Prozesse unter Einsatz des G.I.B Dispo-Cockpit bei minimalem Aufwand.“

Unzweifelhaft steigt der Einsatz von IT in der Produktion und Logistik, wobei das Spektrum breit ist: von Maschinen zu Maschinen-Kommunikation bis hin zu elektronischen Marktplätzen, die in die Supply Chain eingebunden werden.

Vor einigen Jahren gab es hierfür auch den Begriff Perfect Plant, der vielleicht jetzt durch Industrie 4.0 abgelöst wird. Tatsache ist jedoch die Durchdringung mit IT von der Planung über Produktion bis Transport.

„Diesen Trend sehen wir auch und wir profitieren als Software-Unternehmen natürlich davon“

meint Michael Schuster.

„Das Augenmerk der Unternehmen für Optimierung in den Bereichen, die vorher nicht so sehr im Fokus standen, ist deutlich spürbar. Wenn ich das Know-how der Personen vergleiche, denen ich vor sieben Jahren etwas von Logistik-Optimierung erzählt habe, mit denen, die mir heute gegenübersitzen in einer Präsentation oder Schulung, dann möchte ich das folgendermaßen formulieren: Mein Vorbereitungsaufwand ist nicht kleiner geworden.“

Das erwachte Interesse an Produktion und Logistik in der IT-Szene hat naturgemäß auch SAP auf den Plan gerufen. Neben der internen Weiterentwicklung von MII, MES und MRP kann auch der Zukauf der Handelsplattform Ariba dazugezählt werden. Welche Chancen gibt es für SAP-Partner und welche Zukunft werden Add-ins in diesem Bereich haben?

„Hier sind im Wesentlichen zwei Aspekte zu beachten“

definiert Schuster.

Juergen Eschmann

Der erste ergibt sich aus der SAP-Strategie, den Partnern mit Add-on-Produkten ein gewisses Feld zu überlassen, in dem diese eine besondere Expertise haben. So sind Initiativen wie Powered by SAP NetWeaver zu verstehen.

„Da die Partner für eine gewisse Ruhe im Kundenumfeld sorgen, gibt es für die SAP gar keinen Grund, da etwas dran zu ändern“

sieht Schuster den Stand der Dinge und präzisiert:

„Der zweite Aspekt ist, dass G.I.B ein typischer Nischen-Anbieter im Vergleich zu einer global denkenden SAP ist. Dazu kommt, dass die Partner-Lösungen im Laufe der Jahre eine Tiefe erreicht haben, die nicht mal eben so zu kopieren ist.“

Als langjähriger SAP-Partner ist G.I.B optimal in das Ecosystem eingebunden. Der Add-on-Einsatz erfolgt innerhalb der Business Suite auf dem SAP-ERP-System, die Entwicklung bei G.I.B erfolgt komplett in ABAP und ABAP-Objects.

„Wir nutzen durch von uns weiterentwickelte Techniken der SAP wie ALV-Grid sowie AVL-Tree und setzen sehr stark auf Grafik-Funktionen.“

Es zeigt sich immer wieder, dass eine hohe Usability für enorme Akzeptanz bei den Anwendern sorgt.

„Wem die Arbeit mit der Software höheren Spaß bringt, der wird auch qualitativ besser, trifft sicherere Entscheidungen und vermeidet Fehler“

weiß Schuster. In den vergangenen Monaten hat man bei G.I.B die ersten mobilen Ansätze entwickelt; hier wurde mit HTML5 und UI5 gearbeitet.

„Unsere Software ist branchenneutral und wird individuell auf die Bedürfnisse des Kunden angepasst“

erklärt Schuster.

Beim Customizing wird der benötigte Individualisierungsgrad im Dialog mit dem Kunden ermittelt und festgelegt. Auch hier gilt die Maxime:

„So viel Individualisierung wie nötig, so wenig Aufwand wie möglich. Die überraschend kurze Amortisationszeit unserer Software spricht hier für sich.“

Dennoch, jede Branche hat zur Lösung gewisse Eigenheiten, man kann einen Automobilzulieferer, der Stanzteile herstellt, definitiv nicht vergleichen mit einem handarbeitsintensiven Unternehmen der Spielzeug-Branche oder einem Ketchup-Hersteller – aber die grundsätzliche Thematik ähnelt sich trotzdem.

„Natürlich haben wir Schwerpunktbranchen, man muss sich nur unsere Kundenliste anschauen“

meint Michael Schuster. Dort findet man viele Automobilzulieferer, Maschinenbauunternehmen oder Metall-/Kunststoff-Verarbeiter.

„Fassen wir es zusammen unter dem Stichwort Diskrete Industrie“

beschreibt er die Marktsituation und ergänzt:

„Auf der anderen Seite gibt es eine Reihe von Chemie- und Pharma-Unternehmen, also eher Prozess-Industrie. Weiter über Küchenbauer, Ranzen-Hersteller, Spielzeug-Fabrikanten – eines haben alle unsere Kunden gemeinsam:

Sie benötigen die richtigen Materialien zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten, und das in der richtigen Menge, in geeigneter Qualität, in der richtigen Verpackung.“

 


 

Kurzinterview

G.I.B-Geschäftsführer Michael Schuster und Jürgen Eschmann, G.I.B.-Leiter des SCM-Consulting über den Einsatz von SAP Hana, Realtime Enterprise und die In-memory Computing Conference 2013 (www.in-memory.cc)

E-3: Berücksichtigen Sie bei Ihrer Produktentwicklung auch die jüngste SAP-Technologie Hana?

Schuster: Bereits im März 2012 haben wir unseren erste Baustein DC-Controlling mit einer by-Side-Hana-Anbindung versehen. Dieser Baustein ist zu großen Teilen Analyselastig und bot sich von daher an, um erste Erfahrungen zu sammeln.

Der Performance-Gewinn war enorm und in der Folge haben wir Hana zu einem strategischen Thema innerhalb unseres Unternehmens erklärt.

E-3: Können Ihr Dispo-Cockpit und Hana eine wertsteigende Kombination sein?

Schuster: Wir sehen hier tolle Möglichkeiten für unsere Kunden und Interessenten! In der Planung und Disposition wird mit großen Datenmengen gearbeitet und In-memory Technologien sind hier perfekt geeignet.

Es gibt keine Einschränkungen mehr bei komplexen Hierarchien und damit höhere Genauigkeit der Planung. Die Vorteile beim Working Capital liegen auf der Hand.

Eschmann: Mit der SAP-Hana-Technologie bringen wir unsere Kunden in ein neues Zeitalter: Zugriff auf jedes beliebige Datenvolumen in Echtzeit, jede denkbare Detail-Tiefe, jedes Wunsch-Szenario auf Knopfdruck.

Das Ganze zusätzlich noch mit mobilem Zugriff. Damit kann das G.I.B Dispo-Cockpit in jeder Unternehmensgröße und für jede noch so umfangreiche Produktpalette eingesetzt werden. Auch eine dezentrale Umsatz- und Absatz-Planung im Flächenvertrieb ist dann kein Thema mehr.

Länder- und kontinentübergreifende Synergien können in ganz anderem Maße realisiert und kostspielige Redundanzen abgebaut werden. Das sind traumhafte Aussichten für unsere Kunden.

E-3: Wie bewerten Sie den von SAP geprägten Begriff Realtime Enterprise? Wie wichtig ist Realtime beim G.I.B Dispo-Cockpit?

Schuster: Realtime Enterprise bedeutet ja im Wesentlichen, den Anwendern alle erforderlichen Informationen zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen. Genau diesen Ansatz verfolgen wir seit mehreren Jahren mit unseren Anwendungen.

Bisher waren wir jedoch gewissen Restriktionen unterworfen, denken wir nur mal an den MRP-Prozess im SAP-ERP. Wir beobachten aktuell sehr gespannt, was die SAP in diesem Umfeld unternimmt.

Eine wesentliche Frage an dieser Stelle ist allerdings auch, wie viel Realtime Enterprise der Anwender tatsächlich verkraftet. Zwischen Theorie und Praxis klaffen hier noch große Lücken.

E-3: Sie sind einer der Sponsoren der In-memory Computing Conference 2013 in Frankfurt am Main. Was ist Ihre Erwartungshaltung? Was ist die Botschaft an die SAP-Bestandskunden und Konferenzteilnehmer?

Schuster: Die Konferenz hat aus meiner Sicht zum jetzigen Zeitpunkt noch einen Bildungs-Charakter; hier wollen wir unseren Beitrag leisten, natürlich ohne unser Geschäft zu vernachlässigen.

Die Zeit der „Aufklärung“ wird auch noch andauern innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre. Als wir im Mai 2012 auf den Success Days unsere erste Hana-Lösung in einem Plenum von 250 Personen vorgestellt haben, konnten die meisten Teilnehmer noch nicht viel damit anfangen, da sie Hana und In-memory schlichtweg noch nie gehört hatten.

Natürlich bewunderten sie die enormen Zeitersparnisse und stellten interessante Fragen nach Business Cases. Jetzt sind wir ein Jahr weiter und klar sollte Folgendes sein: Ein SAP-Bestandskunde, der glaubt, er käme an der Thematik vorbei und die Welt würde sich so weiterdrehen wie bisher, verschließt ganz offensichtlich die Augen.

E-3: Danke für das Gespräch.

Über den Autor

E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

AdvertDie Meinung 2