Die Meinung der SAP-Community Editorial MAG 1304

Das Hana- und Lizenz-Einmaleins der SAP

2013

Du musst verstehen, aus eins mach zehn, die Lizenz lass gehn, und Hana mach gleich, so ist SAP reich, verlier das R/3, aus Hard und Soft, so sagt’s der Jim, mach Suite on Hana, so ist’s vollbracht, und ERP ist eins, und BW ist keins, das ist das Walldorf-Einmaleins. (Frei nach Goethe)

Etwa drei Wochen vor der CeBIT fand ich auf www.saphana.com ein sehr interessantes Hardware-Angebot (siehe Web-Screenshot). Ich nannte den Server „weißer Ritter“, naturgemäß wegen der Farbe, aber auch wegen des unangekündigten Erscheinens.

Der Server ist ein OEM-Produkt von IBM, ausgestattet mit allen Insignien einer Hardware aus Walldorf. Anlässlich der SAP-Pressekonferenz auf der CeBIT fragte ich Co-CEO Jim Hagemann Snabe nach der Ursache eines Servers mit Hana-Schriftzug und SAP-Logo.

Hier seine Antwort:

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„Als wir 2010 unsere Strategie festlegten, da war ein allgemeiner IT-Trend vorhanden, dass Software-Firmen ins Hardware-Geschäft einsteigen. Wir trafen damals die Entscheidung, keine Hardware-Firma zu werden.

Wir machten diesen Schritt aus zwei Gründen: Erstens, weil wir weiterhin auf das fokussieren, was wir am besten können: Wir sind die Marktführer bei Business Software und mit unseren Innovationen sind wir schneller als der Mitbewerb.

Wir haben diese Erfolge errungen, weil wir uns auf Software konzentriert haben. Zweitens: Wir glauben, dass unsere Kunden eine Wahlfreiheit haben wollen. Wir spezifizieren die Hardware für Hana sehr detailliert, sodass viele Partner in der Lage sind, diese auszuliefern.

Damit garantieren wir, dass die Hardware perfekt die Anforderungen der Software erfüllt. Wir haben elf Partner, die Hardware für Hana liefern.

Wir selbst werden nicht in das Hardware-Geschäft einsteigen. Wir helfen, um die Software auf die Hardware zu bekommen – wir unterstützen vorinstallierte Systeme.“

Es bleibt beim weißen Ritter, denn mehr Information zu dem Angebot auf saphana.com gab es nicht.

Am 10. Januar dieses Jahres präsentierte SAP die Business Suite powered by Hana. In Palo Alto wurde CTO Vishal Sikka gefragt, ob für Hana auch andere Plattformen zum Einsatz kommen als die bekannte Intel-Xeon-Konfiguration.

Zuerst zögerte Sikka mit der Antwort, dann aber meinte er, auch ein IBM Power-Server könnte Hana-Plattform sein. Mittlerweile wurde bekannt, dass am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam ein Power-Server installiert wurde.

Naheliegend war es, Co-CEO Snabe auch danach zu fragen. „Wir sind offen und wir haben eine enge Partnerschaft mit IBM. Aber Hana nutzt so viele Vorteile einer modernen Rechnerarchitektur und wir verbrachten sehr viel Zeit mit Intel, sodass die Prozessoren nicht nur optimal mit Hana arbeiten, sondern auch spezifische Befehle für Hana haben. So etwas kann man nicht über Nacht verwirklichen.

Es ist ein wichtiger Aspekt der Performance, dass Hana perfekt auf die Hardware abgestimmt ist – ohne dass wir eine Hardware-Firma sind. Wir arbeiten mit IBM, um zu sehen, was auf der PowerPC-Plattform möglich ist – aber das wird Zeit und Mühe kosten. Es wird uns nicht vom Weg abbringen, eine optimale Hana-Box von verschiedenen Anbietern im Markt zu haben.“

Das Damoklesschwert „gebrauchte Software“ schwebt über SAP und der gesamten Software-Branche. Auch hierzu ist die Ansicht des Co-CEO sehr aufschlussreich, er leugnet einfach die Notwendigkeit. Sein Statement von der CeBIT:

„Software ist etwas anderes als ein physisches Produkt. Der Wert von Software liegt in ihrem Gebrauch. Stellen wir uns vor, man benutzt die Software für einige Jahre und dann entscheidet man sich, diese nicht mehr einzusetzen.

Man hat damit einen Mehrwert über die vergangenen Jahre erzielt. Was ist dann aber der Wert der gebrauchten Software? Sicher weniger als der Wert, den man durch das Nutzungsrecht erzielte.

Wir bei SAP haben ein sehr breites Angebot und normalerweise bündeln wir zahlreiche Funktionen in wenige bepreiste Komponenten, die unsere Kunden ganzheitlich nutzen können. Natürlich findet man Funktionen, die kaum genutzt werden – aber kann man deswegen Geld zurückverlangen?

Die Idee der Preisgestaltung bei Software ist eine ganzheitliche. Für mich ist ohnehin die Frage eine ganz andere: Schaffen wir jeden Tag wieder einen Mehrwert für unsere Kunden?

Und wenn unsere Software bei unseren Kunden einen Wert schafft, dann werden diese zufriedenen Kunden mehr Lizenzen von uns kaufen. Unser Ziel ist es, mit unserer Software mehr Wertschöpfung zu unseren Kunden zu bringen.“

Wahrscheinlich wird jeder Bestandskunde Herrn Snabe recht geben, nur war es keine Antwort auf das Thema gebrauchte Software. Ein deutsches Unternehmen hat SAP bezüglich der Auslegung der AGB und der Anerkennung von gebrauchten Softwarelizenzen geklagt. Die Geschichte wird fortgesetzt.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel.: +49(0)8654 77130-21

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